Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 1 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Juden im großen Deutschen Bauernkriege 1525. 59 so doch die Rolle heimlicher Vermittler zwischen gleichstrebenden Parteien zuzutrauen und zu glauben, daß sie, welche ihre Geschäfte in den Spelunken städtischer Proletarier wie in den Hütten der Bauern gleich vertraut gemacht hatten, am besten geeignet waren, von den Brauseköpfen jener zu den Rache Sinnenden dieser die Fäden hinüberzuführen. Man bedenke außerdem, daß damals noch die- Worte Luthers in reinem und durch die Erinnerung an seine späteren Wuthausbrüche noch nicht beflecktem Andenken standen, in welchen er seinen Glaubensgenossen den Rath giebt, an den Juden der christlichen Liebe Gesetz zu üben und sie freundlich anzunehmen, und daß seine Persönlichkeit unleugbar, wenn auch Wider seinen Willen, auf den Ausbruch und die Ereignisse von 1525 gerade von größtem Einfluß gewesen ist. — Indessen allen diesen Vermuthungen fehlt jeder Anhalt. Zwar haben neuere Untersuchungen die Wahrheit der Mutianischen Worte in dem Punkt Wohl bestätigt, daß die von den wichtigen Aemtern ausgeschlossne, beim zunehmenden Luxus und der Monopolwirtschaft der reichen Handelshäuser verarmte, dazu durch Luthers und noch mehr Huttens vorausgegangene Schriften aufgeregte Mehrheit in gar vielen Deutschen Städten allein von einer tiefgreifenden Umwälzung das Heil erwartete, und daß städtischer Einfluß sehr oft als wirksam betrachtet werden muß, wo man sich gewöhnt hat, allein dem Elend der Bauern die Stelle der Ursache einzuräumen. Indessen die Behauptung Mutians, daß die Juden die revolutionären Bestrebungen der Städte unterstützt hätten, giebt wohl zu mannichfachen Vermuthungen über Grund und Art dieser Unterstützung Anlaß, findet aber in den Thatsachen, soweit sie bis jetzt vorliegen, keine Bestätigung, sondern scheint sogar durch diese widerlegt zu werden. Auch Zimmermann, der radikale, wie Jörg, der ultramontane Historiker gelangen nur zu solchen Vermuthungen. — Der erste sagt: ״Es ist bem erken s werth, die Juden haben im Bauernkrieg keinerlei Mißhandlung erfahren... Es ist gar nicht unwahrscheinlich, eben weil die Juden überall und ganz unangetastet blieben, daß die Letzteren in einer Beziehung zu der Bewegung und ihren Leitern standen, welche ihnen Sicherheit ihrer Habe und Person gewährleistete; daß sie ihre Reichthümer öffneten, um entweder schon die Einleitung der Bewegung oder wenigstens die bereits ausgebrochene