Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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56 Recensionen. ein jedes handschriftliche Buch sorgsam nach einzelnen Notizen zu durchstöbern; ja eine jede Handschrift, wenn deren Verfasser nur bereits ein gewisses Alter erreicht, sollte den Anspruch auf vollständige Veröffentlichung haben. Dieses Uebermaß hatte seine historische Begründung in dem Umstande, daß die vorangegangene Zeit so gar keinen Sinn für Geschichte hatte, daher alle Daten derselben in der größten Verwirrung waren, alle Literaturkenntniß ganz abhanden gekommen war, und bei einer neu zu schaffenden Wissenschaft mußte auch das Geringfügigste Beachtung finden. Allein es ist nun Zeit, sorgsam darauf zu sehen, daß der Begriff der wahren Wissenschaft nicht alterirt werde, daß die Charakteristik der Zeiten und wahrhaft bewegenden Momente im geschichtlichen Leben allein dauernde Beachtung finden. Schriften, welche uns den inneren Entwicklungsgang neu beleuchten, haben das Anrecht auf Veröffentlichung. Wenn wir Schriften aus der dunklen Zeit der Geonim, den Anfängen des Karäismus, die ersten grammatischen Versuche eines Menachem, Dumasch und ihrer Schüler, die Arbeiten der nordfranzösischen Exegetenschule, merkwürdige geschichtliche Aufklärungen wie über das Verhältniß Chasdai's zu Menachem, Streitschriften, welche uns die Motive der verschiedenen Zeitrichtungen enthüllen, wie diejenigen nach Maimonides' Tode und die über die provenealischen philosophischen Bestrebungen, von ächter Kunstweihe erfüllte Gedichtsammlungen und Aehnl. dgl. erhalten, werden wir gewiß in hohem Grade dankbar sein, und die volle Darlegung des Materials ist in solchem Falle geboten, damit ein Jeder sich ein begründetes Urtheil verschaffen könne. Anders ist es mit Werken, die blos Bekanntes wiederholen, hinlänglich belegte Zeitrichtungen ohne neue Zuthat in sich tragen, die blos eine gelegentliche Notiz enthalten. Der Forscher mag sie mit aller Umsicht benützen, das was er gefunden mittheilen, aber man muthe nicht dem größeren Publicum zu, das neue, im Ganzen wcrthlose Material als eine Bereicherung der Literatur zu begrüßen. Von diesem Standpunkte aus können wir den größten Theil der oben rubricirten neuen Schriften kaum als beachtenswerthe Erscheinungen betrachten. Abraham Maimonides war freilich der Sohn des Moses M., allein er hatte seinen Geist nicht geerbt. Er ehrte seinen Vater und wehrte mit Entschiedenheit die gegen ihn unternommenen Angriffe ab, sowohl gegen seine philosophische Richtung als auch gegen seine thalmudischen Decisionen, allein er that Dies nicht mit überlegenem Geiste. Was er als Vertheidiger gegen des