Central-Anzeiger für jüdische Litteratur
- Journal
- Central-Anzeiger für jüdische Litteratur
- Volume
- 1 (1890)
- Issue
- Heft 5-6 (September 1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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107 ausmacht? Einen wissenschaftlich begränzten Zweck verfolgt keine der seit dem XVI. Jahrh. erschienenen Schriften dieser Gattung; sie sind hauptsächlich für Prediger, Belletristen und Dilettanten angelegt. Was Vielseitigkeit und Vollständigkeit betrifft, so besitzt die Berliner k. Bibliothek ein unedirtes Werk «aus dem vorigen Jahrh., welches jedenfalls benutzt werden konnte. — Es scheint aber überhaupt die höchste Zeit, die ״Wecker“ selbst zu wecken unyd sie zu fragen, was sie eigentlich wollen, und was sie dafür thun; was sie leisten für das, was sie verlangen. Es ist wohl Zufall, dass vor unserem Buche das allgemeine Titelblatt fehlt, auf welchem die Namen der 8 Häupter des ״Vereins” glänzen, — wenn man Subscribenten ohne jede Einwirkung so nennen darf, — und an diese geachteten Gelehrten ergeht ein Mahnruf, wie ihn vor 50 Jahren Mannheimer in die Worte Jes. 3,6 kleidete: ״Hast du das Kleid, so sei uns wirklich ein Vorsteher!“ Was tlrnn die Plejaden ausser B. für die Wahl und Bearbeitung der Bücher? Es kann keiner jener Herren die Verantwortlichkeit dafür ablehnen, um so weniger, als von leitenden Grundsätzen bis jetzt nichts verlautete. Es giebt nur zwei erfolgreiche Tendenzen für ein solches Unternehmen: entweder die Käufer sollen ein gutes Geschäft machen, wie denn auch kein Mitarbeiter Honorar erhält, dann ist die bedeutende Verminderung des Umfanges in 6 Jahren gefährlich, oder es gilt einer Förderung der Litteratur, dann muss der Inhalt den Umfang ersetzen und es ist nicht nöthig 10 Mk. jährlich auszugeben; bei 5 Mk. jährlich liesse sich Genügendes leisten und bliebe Zeit für die zur Herausgabe nötigen Vorarbeiten und Verhandlungen. Ich nehme keinen An stand, mich über Einzelnes auszusprechen. Der letzte Jahrgang bietet Nichts als Gesetz und Ritus, und für diese Ueberflüssiges. Das Machsor Vitry verdient nicht eine vollständige Ausgabe, noch weniger die Halachot Gedolot mit dem Commentar; der arabische Text des Mischnacommentars erforderte nicht eine vollständige neue hebräische Übersetzung, viel eher eine in einer neueren Sprache; aber man scheint ja jede nichthebr. Beigabe zu scheuen, als ob der Verein von jungpalästinischen Chauvinisten gegründet wäre; dennoch fordert man Berücksichtigung der Literatur in christlichen Kreisen. Im vorigen Jahre wurde ein homiletischer Commentar zu Hiob herausgegeben, dessen Wert in Citaten aus alten Midraschim bestehen soll: da genügte ein kurzer Artikel. Auf dem Titelbl. wird der Vf ins XII. Jahrh. versetzt; kaum ist das Buch erschienen, so beweist Neubauer (Jew. Quarterly II, 526), das XV. Jahrh. Hypothesen gehören überhaupt nicht auf Titelblätter, jedenfalls nicht als Thatsachen. — Noch ist es Zeit, auf eine angemessenere Bahn einzulenken. Wenn die Wecker weiter schlafen, so werden Leser und Verein bald dem Beispiele folgen. M. Steinschneider.] SIMCHA A. VITRY מהזןך ןי0ךד Machsor Yitry nach der Oxforder Handschrift (Cod. N. 1100) zum ersten Male herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von S. Hurwitz, Rabbiner. (Zweite Lieferung). 8° Berlin 1890; p. 231—396 (s. ob. S. 36)