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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 1

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 1 (sequence 9)
Language
German
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Salomo GaüLrol. Eine Skizze von Abraham Erhaben ist die Erzählung der aus dem Alterthum, wie die Menschen der Vorzeit an den Schranken ihrer endlichen Macht rütteln, ihre volle Unabhängigkeit zu erringen bemüht sind; die Titanen häufen Berge aufeinander, um trotzig den Himmel zu ersteigen; die Menschen einer Sprache und einer Rede wollen in Babylons weiter Ebene eine Stadt erbauen mit einem Thurm, dessen Spitze zum Himmel hinanreicht, auf daß sie, auf die eigene Kraft sich stützend, Dauer und Forterhalten sich verbürgen. Dieses kühne Emporstreben des Menschen bricht sich dennoch an seiner Ohmnacht, zieht Strafe und Fall nach sich. Noch erhabener ist die Dichtung, wenn sie uns den Menschen in seinem geistigen Ringen darstellt, wie er die Beengtheit, die seinen Geist umgibt, durchbrechen, das Dunkel der sittlichen Weltordnung durchdrungen will. Hiob führt das Bewußtsein seiner Tüchtigkeit und Reinheit mit einem gewissen Trotz in den Kampf gegen die Unfälle des Lebens; er stellt die ewige Gerechtigkeit zur Rede: „Warum dies mir? Stehe ich nicht höher als mein Schicksal? Und dennoch ein Solches über mich verhängt!" In diesem Ringen der sittlichen Entrüstung mit den Leiden des Lebens liegt eine Hoheit und Würde, daß wir uns mit dem Hadernden trotz seiner Leiden emporgehoben fühlen. Beruhigt treten wir wieder mit ihm in die Unterwerfung unter *) Diese Skizze ist den Vorlesungen entnommen, welche ich in diesem Winter über „Das Judenthum und seine Geschichte von der Zerstörung des zweiten Tempels bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts" gehalten habe, und Welche demnächst im Druck erscheinen werden. Zugleich mag diese Skizze als Vorläufer betrachtet werden für ein ausführlicheres Lebensbild Gabirol's, das binnen kurzem im Verlage dieser Monatsschrift an die Oeffentlichkeit treten soll. Hilberg'z Jllustrirte Monatshefte. I, 1. — April tSSS. Geiger. *) den höhern Gottesgsist, der sich ihm in seiner unendlichen Erhabenheit offenbart. Noch tiefer und sinniger ist es, wenn der Dichter der neuern Zeit uns Faust vorsührt, wie er in die Tiefen des Wissens eindringen, das Geheimniß des-Werdens entschleiert sehen, in das Weben und Wirken der Urkraft und des Urgeistes hinabsteigen, gewissermaßen mit daran arbeiten und so das Räthsel alles Seins lösen und ungeduldig seiner geistigen Endlichkeit und Begrenztheit Herr werden will. Tief ist sein Fall, wenn er aus jener anmaßenden Höhe in die Sinnlichkeit versinkt, um in ihr das hohe Streben zu ersticken; nur durch die Naivetät eines reinen, unschuldigen Gemüths, das sich an ihn kettet, wird er gerettet. Eine Faustnatur, aber ohne alle Beimischung von Sinnlichkeit, ohne Verlangen, auch den Lebensgenuß mit einemmal zu erschöpfen und den Kelch bis zur Hefe zu leeren, ist Salomo Gabirol, auch arabisch genannt Abu Ajub Suleiman ibn G'ebrol: ein Mann, dessen Leben ein ununterbrochenes Ringen ist, in die tiefsten Geheimnisse des Daseins hinabzudringen, das Triebrad des Geistes und des Lebens, die Kräfte, die das Universum zusammenbinden, zu erfassen. Solche Männer werden von einer beständigen Unruhe getrieben; sie sind nie in sich begnügt, weil sie nie das Ziel,-welches sie unablässig verfolgen, erreichen; das Ideal erscheint ihnen von fern in seiner vollen Schöne und Anmuth; sie eilen ihm nach, sie glauben es zu erfassen, und es entschwindet ihnen. Dennoch ermatten sie nicht, beginnen neu den Lauf, erheben sich mit kühnem Flug der Begeisterung, dem letzten Grund der Dinge nahezukommen, ermatten in ihrem Flug und erheben sich dennoch wieder. Solche 1

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