Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 4 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 265 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Kapitel Familiengeschichte. Von Dr. Gustav Treixler, Graslitz. § 1. Am 10. Juli 1762 hatte Kaiser Franz I., der Gemahl Maria Theresias, die Herrschaften G ö d i n g und Oroß- Pawlowitz um 1,005.500 fl. rheinisch aus der Konkursmasse des Grafen Josef Czobor erkauft und war dadurch auch Besitzer der alten Gödinger Judengemeinde geworden. Maria Theresia war nun bekanntlich aus religiösen Gründen keine Freundin der Juden, auch beschuldigte man diese — wie man weiß, mit Unrecht — verräterischer Handlungen zu Gunsten der Preussen während der Schlesischen Kriege. Daher wollte sie sie zuerst aus ganz Böhmen und Mähren vertreiben, mußte aber ihre diesbezüglichen Erlässe in beiden Fällen wieder zurückziehen. Aber auf ihrer eigenen Besitzung wollte sie endlich keine Juden mehr dulden. Dazu trug auch der Umstand bei, daß die Gemeinde durch mehrere verheerende Brände in der Judenstadt gänzlich verarmt und in Schulden geraten war und deshalb offenbar ihren Verpflichtungen nicht mehr voll nachkommen konnte. So kam es also zu Beginn des Jahres 1774 zur Ausweisung der Gödinger Juden.1 Deshalb war schon 1773 der Auftrag an die Hauptmannschaft ergangen, ein Verzeichnis der Juden anzufertigen, und daraufhin verfaßten der Kontributionseinnehmer Maximilian Job und der Waisenschreiber Thomas Josef M a 1 y das nachstehende Schriftstück, betitelt „Beschreybung deren ob der Kaiser Königlen. Herrschafft Göding Befindlichen Sa rrientlen. Jüdischen Seele n", abgeschlossen am 20. März 1773. Eine als „Copia" bezeichnete, aber doch wahrscheinlich eigenhändig von einem jener beiden Beamten verfertigte Abschrift befindet sich in meinem Besitz; sie besteht aus 3 Bogen 3 Hierüber selbst vgL meine Arbeit „Die Gödinger Judengemeinde" im XXI. Jahrgang (1914) der Zeitschrift des Deutschen Vereins f. d. Geschichte Mährens u. Schlesiens", S. 351 ff., und meine „Geschichte der Juden in Göding" in Golds „Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart", Brünn 1929. 265