Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 4-5
- Article
- Motor-Fahrräder und Automobile in Arabien
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Fahrrad-Linien anschliessen, ähnlich wie sich Schmalspurbahnen an die grossen Eisenbahnlinien anschliessen. Diese Motor- Fahrrad-Linien werden ihre Stütz- und Ausgangspunkte an der Automobil-Linie und an einem oder mehreren, auf die Motorräder wartenden Automobile haben. Die Motorräder können natürlich nur eine ganz beschränkte Menge von Waren mitführen, wesentlich nur als Muster, um sie den Bewohnern der unzugänglichen Plätze zu zeigen und ihnen klar zu machen, dass sie diese Waren unten an der Automobilstrasse an bestimmten Tagen, wo die mit Waren beladenen Kraftwagen passieren werden, erhandeln können. Es ist berechnet worden, dass das ganze Unternehmen sich billiger stellt als der Handelskarawanen- Verkehr mit Kamelen, ganz abgesehen von den sonstigen Vorteilen. Jedenfalls haben die Engländer wieder einmal bewiesen, dass sie am schnellsten und tatkräftigsten bei der Hand sind, wenn es gilt, ihrem Absatz neue Gebiete zu erobern. Und dass Motorrad und Motorwagen zur Zeit die geeignetsten Mittel sind, um ihrem Export nach Arabien die Wege zu öffnen, unterliegt keinem Zweifel. Die deutschen Industriellen sollten ein Gleiches tun; denn Arabien, das im Altertum „das Glückliche" hiess, birgt auch heute noch ünermessliche Reichtümer und geschäftliche Möglichkeiten, die die deutsche Industrie nicht der englischen allein überlassen darf. Keineswegs ist Arabien das Land endloser Wüsten, für das man es in Europa hält, und es ist nicht weniger bevölkert, als alle übrigen Gebiete der Türkei im Durchschnitt, dabei aber bedeutend grösser als das deutsche Reich und von zahlreichen, mehr oder weniger von Konstantinopel abhängigen, aber jedenfalls steinreichen Fürsten beherrscht, die wahrscheinlich, sobald überhaupt erst einmal regelmässig die Handels-Automobile und -Motorräder ihre Gebiete durchkreuzen werden, die ersten Käufer solcher Kraft-Fahrzeuge sein werden. Nicht in letzter Linie wird also auch die Motorfahrzeug-Industrie selbst in Arabien entsprechend gute Absatzmöglichkeiten erblicken können. Dies ist keine Zukunftsmusik, vielmehr liegt diese Entwicklung in absehbarer Zeit; es handelt sich nicht mehr um Jahrzehnte, sondern nur noch um Jahre, ja, je nachdem das englische Unternehmen bald zur Ausführung gelangt, nur noch um Monate. Die Oefmung des Jahrhunderte lang in Verbindung mit dem Islam vollständig verschlossen gewesenen Landes geht mit Riesenschritten voran,, und das meiste dazu hat in letzter Zeit die von deutschen Ingenieuren und im wesentlichen mit deutschem Material unter dem Schutze und mit Hilfe türkischer Regimenter gebaute Hedjasbahn beigetragen, die grosse Pilgerbahn nach Mekka, die bereits bis Medina fertig und im Betrieb ist, eine direkte Eisenbahnverbindung von Europa nach Arabien hinein darstellt und für ein deutsches dem englischen analoges Handelsunternehmen mit Automobil, und Motorrad die denkbar günstigste Operationsbasis ergeben würde, von deren Stationen aus strahlenförmig deutsche Handels-Automobile und Motorräder die unergründeten Gebiete Arabiens durchziehen 91