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Palästina · 1910-01-01 · Heft 3 · p. Seite 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 3
Article
Der Militärdienst in der neuen Türkei
Date
1910-01-01
Page
Seite 72 (sequence 2)
Language
German
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Oberhauptes der Versorgung der hilflos zurückgelassenen Frauen und Kinder nach Kräften annehmen will. Es kommt kein Unglück, es ist ein Glück dabei und so darf man wenigstens eine segensreiche Frucht von der neuen Militärordnung erwarten, nämlich die Einschränkung der unvernünftig, physisch, moralisch und ökonomisch schädlichen frühen Heiraten, wie sie bisher namentlich unter den hiesigen Juden gang und gäbe waren. Ein „Mann'* und Hausvater von 15 Jahren und eine „Frau" und Hausmutter von 12 oder 13 sind doch eigentlich, trotz südländischer und orientalischer Frühreife und Heissblütigkeit, ein Unding und ein Verbrechen gegen die Natur, wogegen der Zwang der Verhältnisse jetzt gewiss erfolgreicher ankämpfen wird als bisher die Stimme der Vernunft und Erfahrung. 5üg§ Das Beth ha am. Das Beth ha am hat in seiner Entwicklung einen wichtigen und bedeutungsvollen Schritt vorwärts getan, indem jetzt dem Lesezimmer mit Zeitungen auch eine Bibliothek mit verschiedensprachigen Büchern angegliedert worden ist. Das Unternehmen, auch durch Bücher den Bildungshunger der strebsamen und aufgeweckten jüdischen Jugend, welche namentlich in den Abendstunden die Räume des Hauses füllt, zu stillen, verdient alle Anerkennung und die Unterstützung der weitesten Kreise, sei es mit Büchern oder mit Geld. Leider wird aber, wie es scheint der Wert, die Bedeutung und der Einfluss des Beth ha am auswärts noch vielfach unterschätzt. Das zeigt z. B. die Bemerkung der Redaktion eines angesehenen jüdischen Blattes, welche die bisherige freie Zusendung desselben mit dem Hinweis auf das Lesezimmer der sog. Jüd. Nationalbibliothek, wo dasselbe für jeden Interessenten zu finden sei. Dem gegenüber ist zu betonen, einmal dass die von Dr. Chasanowitch in Bjalestock mit so viel Hingabe, Selbstverleugnung und persönlichen Opfern begründete sog. jüd. Nationalbibliothek zur Zeit noch nicht wahrhaftig in den Besitz und Gebrauch des jüdischen Volkes und der Allgemeinheit übergegangen ist, sondern sich noch in den Händen einer Jerusalemer Parteiclique befindet, die darüber schaltet und waltet nach eigenem Gutdünken, die Benützung und den Besuch der Bibliothek gestattet, wem sie will. Dann gilt esaber auch, besonders darauf hinzuweisen, dass die Bücherräume und das Lesezimmer der Nationalbibliothek am Abend geschlossen bleiben und darum gerade für die am meisten geweckte, nach Bildung, Erkenntnis, Belehrung und Fortschritt strebende, den Tag über durch Berufspflicht in Anspruch genommene arbeitende Klasse der Bevölkerung absolut wertlos sind. Es wäre darum höchst wünschens- und dankenswert, wenn nicht nur die Verleger mit der kostenlosen Zusendung ihrer Blätter für das Beth 72

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