Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Fortschritte in der Malariabekämpfung
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wenn dieser auf eine Wasserfläche gebracht wird, so überzieht er sie mit einer für die Mückenlarven undurchdringlichen Schicht, so dass die Larven ersticken müssen. Ausserdem sind auch die Mückenfeinde, Wasserläufer, Rückenschwimmer und Libellen zu schonen. Alkin son fand in der Nähe von Hongkong einen natürlichen Feind der Moskitos. Er beobachtete dort eine grosse Menge von Fliegen, die Moskitoslarven frassen; wenn das Wasser in stagnierenden Flussarmen aufgerührt wurde, stürzten sich die Fliegen auf die Larven, um sie zu fressen; zum Teil flogen sie mit den Larven im Munde weg. Die Fliegen wurden als Lispa sinensis Schines, Familie der Anthomyiden bestimmt. Schliesslich bleiben noch zwei Mittel zu erörtern. Man versehe die bestehenden Bewässerungskanäle mit einem stärkeren Gefälle, event. muss erst der Boden drainiert werden, halte die erforderliche Tiefe stets in Stand und unterdrücke jede Vegetationsbildung an den Böschungen und im ganzen Umkreise, oder unterhalte durch Wasserräder oder Turbinen eine künstiche Bewegung im Wasser, da die Mückenbrut sich nur im stehenden Wasser entwickeln kann. Selbst verständlich sollen kleinere Tümpel einfach zugeschüttet werden. Die Mist- oder Senkgruben werden am besten mit einem Gemenge von rohem und raffinierten Petroleum (1 : 3) im Ausniasse von etwa einem Trinkglas auf Im8 beschickt. Wichtig ist auch die Vernichtung der überwinternden Mückenweibchen. Die Ueberwinterung erfolgt zumeist in kühlen, nach Norden gelegenen Räumen, Kellern, Dachböden, Schuppen, Ställen, vielleicht auch in Erdhöhlen und Laubhaufen. Die an den Wänden und Decken sitzenden Mücken werden mit Spirituslampen abgesengt; auch Stangen mit in Petroleum getränktem Werg sind dazu geeignet. Die Bekämpfung der Malaria in Palästina ist keine untergeordnete Frage der Kolonisation; sie ist eine der alle rw ichtigsten Fragen. Ronald Ross führt den Untergang der hellenischen Welt auf das Ueberwuchern der Malaria in Griechenland zurück. Iedenfalls ist eine Massenkolonisation unmöglich, solange Malariaherde im Lande bestehen, abgesehen von der Malaria in Jerusalem. Hier bedeutet eine Passivität nicht ein Stehenbleiben der Krankheit auf dem alten Stande, sondern direkt eine weitere Ausbreitung der Seuche. Die Frage ist: Entweder wird die Malaria in Palästina getilgt (und dies ist möglich) oder wir müssen den Kolonisationsgedanken aufgeben. Die Aktion wird rationell in zwei Teile zerfallen: In eine möglichst allgemeine, auch die Eingeborenen umfassende Palliativaktion bestehend in, womöglich kostenloser Verteilung von Chinin, und in kleine, räumlich abgegrenzte Tilgungsaktionen, womöglich eine Kolonie und ihre Umgebung umfassend. Diese Aktion soll natürlich mit Wissen, und, wie wir voraussetzen können, mit Unterstützung der türkischen Regierung stattfinden. Die Assanierung Palästinas ist die beste zionistische Politik. 68 Sä§s§