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Palästina · 1910-01-01 · Heft 3 · p. Seite 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 3
Article
Von "Ghetto zu Ghetto"
Date
1910-01-01
Page
Seite 61 (sequence 1)
Language
German
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I fr In Bezug auf seine Einwohner ist Jerusalem besser als sein Ruf. Ich war höchst angenehm überrascht und kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich während meines Aufenthaltes hier weniger von Bettlern behelligt, worden bin als beispielsweise in Paris. Natürlich existiert in Jerusalem eine fürchterliche Armut. Von „Ghetto zu Ghetto". E. N. Adler. i_ i E. N. Adler: Von Ghetto zu Ghetto. 1. Fahrt nach Jerusalem (1888).*) Man spricht von einer Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem, und als ich in Konstantinopel war, sagte man, daß ein Herr Navon von der Hohen Pforte eine Konzession erlangt, und der Sultan tatsächlich den Firman bereits unterzeichnet habe. Ich weiss nicht, wie weit das wahr ist; es verlautet in der Tat, daß ein millionenreicher orientalischer Eisenbahnkönig das Projekt finanzieren will; aber ich wage zu prophezeien, daß, wenn nicht der gegenwärtige Gouverneur von Palästina sein Vilajet bald verliert und ein neuer Pascha kommt, der Navon mehr gewogen ist, es mindestens zehn Jahre dauern wird, ehe die Eisenbahn Tatsache geworden ist. Ich zweifle auch, ob sie sich rentieren würde. Unter den jetzigen Verhältnissen eines geringen Passagier- und gar keines Frachtverkekrs würde sie sich sicherlich nicht bezahlt machen, und ich meine auch, daß die Steigungen des Terrains viel zu steil sein werden, um irgend etwas anderes als die leichteste Art von Eisenbahnen zu bauen. Schon der Talmud berichtet als notorische Tatsache von der zarten Gesundheit der Kinder in Jerusalem, und es scheint, als ob es heutzutage noch schlimmer wäre. Es ist ein schmerzlicher Anblick, diese schwächlichen und welken Babies, Knaben und Mädchen, zu sehen, die meist sehr klug, aber vielfach ungesund, alt aussehen. Die zu frühen Heiraten wirken immer gesundheitschädigend, die Hauptursachen der Krankheiten sind jedoch in der schlechten Wasserversorgung und den mangelhaften Drainageverhältnissen zu suchen. Beiden Mängeln könnte ohne viele Schwierigkeiten abgeholfen werden. Was die Drainage betrifft, so sollte man meinen, das Senkgrubensystem könnte leicht durch eine Kanalisation ersetzt vver- *) Verlag von Strecker & Schröder, Stuttgart. (Siehe unter Literatur.) 61

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