Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- [Rezension] / a. b.
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379848-2379857--04491-2416296- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tonistische Art der Darstellung nicht jedermanns Sache sein. Dafür entschädigt aber die Heranziehung moderner Gesichtspunkte namentlich in politischer Hinsicht, fußend auf den Ritter'schen Gedankengängen. So z. B. wenn Wirth zeigt, wie bei allen Völkern ein Drang zur Eroberung der dem Vaterland gegenüberliegenden Meeresküste nachzuweisen ist, (Seite 105). Merkwürdig ist, daß Wirth sich in vielen Kapiteln auf die bloße Wiedergabe dessen beschränkt, was ihm Gewährsmänner erzählten. Von einem solchen übernimmt er auch die Angabe, daß Midhat Pascha die Ermordung des Sultans Abdul Afis am Gewissen habe, zu den er Murad V. beredet habe. Bekanntlich sind bis heute die wahren Vorgänge bei dieser Bluttat noch völlig im Dunkeln. Für jene, welche sich über die Geschichte der Türken, deren Kenntnis unbedingt nötig ist, wenn man die heutigen Vorgänge in der Türkei besser verstehen will, rasch orientieren wollen, ohne große Werke studieren zu müssen, wird das Büchlein Wirths gute Dienste leisten. Nur darf man nie vergessen, daß Wirth die Dinge sehr subjektiv schildert. Dem Buche sind einige geschickt ausgemalte Illustrationen aus alter und neuer Zeit beigegeben. a. b. X jüdische Turnbewegung in Palästina. In Jaffa findet die erste Konferenz der Turnvereine Palästinas statt an der sich 28 Delegierte beteiligen. Die Turnbewegung hat in Palästina derartige Fortschritte gemacht, daß bereits 500 organisierte Turner gezählt werden. Insbesonders gilt dies von Jerusalem und seinen „Makkabi"- Vereinen, die allein 300 Mitglieder zählen. Besonders hervorzuheben sind: eine Gruppe von 27 Zöglingen der Jeschibot und eine Frauengruppe mit 35 Mitgliedern. In Jaffa werden 50 bis 60 Mitglieder gezählt. Die Ausbreitung der Turnbewegung ist großenteils das Verdienst des Turnlehrers Orloff, der auch das Turnwesen in Deutschland und Schweden an Ort und Stelle kennen gelernt hat. 0 Kurze Nachrichtenschau. — Die Kolonie Rischon-Lezion wurde seitens der Regierung als selbständiges Gemeinwesen (Baladie) anerkannt, unter dem Namen „Aiun Kara" (dem arabischen Namen der Kolonie). Vorstand des neuen Gemeinwesens ist der Kolonist Lubmann, Vizepräsident Herr Meierowitz. — Die Farm Kineret wird von der amerikanischen Arbeitervereinigung „Ha-Ikar ha zair" gepachtet und der Betrieb übernommen. — In Wadi-Chanin haben die Orangenpflanzungen der Kolonisten zum ersten Male eine Ernte gebracht. — In Rechobot wurden 40 neue Häuschen für die Jemeniter fertig gestellt, welche so ein eigenes Viertel der Kolonie bewohnen. — In Galiläa wird ein landwirtschaftlicher Verband gegründet. In der Beratung, die dieser Gründung voranging, wurde namentlich der Plan erörtert, den Körnerbau, der in den letzten Jahren teilweise Mißernten gebracht hat, durch Einführung gemischter Wirtschaft zu ersetzen, wozu allerdings größere Kapitalien erforderlich sind. Aus den Schulen. — In Jaffa wird das Lehrerinnenseminar festlich eröffnet, das vom Odessaer Komitee auf den Namen des verstorbenen Lewinsky ins Leben gerufen wurde. Es enthält zunächst vier Abteilungen, später soll ein Kurs für Kindergärtnerinnen angegliedert werden. Das neue Lehrinstitut untersteht der Leitung des Dr. Turoff, des Direktors der Jaffaer Mädchenschule. — Das hebräische Gymnasium in Jaffa hat seitens der Regierung die offizielle Bestätigung als öffentliche Schule bekommen, damit erhalten die Absolventen unmittelbar das Recht des Hochschulbesuches innerhalb der Türkei und im Auslande gleiche Rechte wie die Absolventen ent- 255