Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Zeitschriften. Heft 4 der „Zeitschrift des Deutschen Palästinavereines" bringt einen längeren Aufsatz über die jüdischen Kolonien von Jesaias Preß in. Jerusalem. Nach einer gedrängten geschichtlichen Uebersicht, in welcher die Kolonisation von Petach Tikwah und Rischon le Zion eingehender erzählt wird, wird eine Uebersicht der 38 bestehenden Ansiedlungen gegeben. Der Verfasser würdigt dann in kurzen Zügen die in den Kolonien geleistete zivilisatorische und Kulturarbeit, sowie die landwirtschaftlichen Verhältnisse. „Die jüdischen Kolonien bilden überall im Lande Kulturstationen. Sie erfreuen das Auge durch ihre anmutigen Anlagen, ihre einfachen, aber meist geschmackvollen Häuser und wohlgeordneten Straßen. Jede Kolonie hat ein geordnetes Geweinwesen, welches von einem gewählten Vorstande mit Verständnis geleitet wird. Synagoge, Schule und Apotheke fehlen in keiner Kolonie. Acht Kolonien haben ihre eigenen Aerzte, die auch von den Bewohnern der Nachbarkolonien sowie der benachbarten Araberdörfer konsultiert werden. Zehn Kolonien besitzen neben guten zwei- bis mehrklassigen Volksschulen auch Kindergärten, in denen die Zöglinge frühzeitig Hebräisch als zweite Muttersprache und als Schulsprache erlernen. Die größeren Kolonien besitzen Gemeindesäle, in welchen oft gemeinverständliche literarische und populärwissenschaftliche Vorträge gehalten werden. Daran gliedern sich kleine Volksbibliotheken. In jeder Kolonie werden Tageszeitungen und Fachzeitschriften in verhältnismäßig großer Anzahl und in mehreren Sprachen abonniert und gelesen. In den größeren Kolonien bestehen Postagenturen, welche die in- und ausländische Post regelmäßig nach der nächst gelegenen Stadt befördern, mit der ein reger Wagenverkehr unterhalten wird. Nur zwei Institutionen moderner Gemeinwesen fehlen in den jüdischen Kolonien, weil sie hier völlig überflüssig sind: Polizei und Gefängnis." „Die Vormachtstellung der Türkei in der islamischen Welt". Unter diesem Titel schreibt Seminardirektor Eberhard in Greiz in der Zeitschrift „Deutsch-Evangelisch" (Monatsblätter für den gesamten deutschen Protestantismus) über das Verhältnis, welches in den letzten Jahren zwischen der mohammedanischen Welt überhaupt und dem türkischen Staat besteht. Trotz der großen panarabischen Bewegung hat sich eine starke Tendenz nach Anschluß an die türkische Vormacht auch bei jenen Orden und Strömungen im Islam geltend gemacht, welche sonst die Führerschaft der Türkei bestritten. Es überwog, schon durch die Politik Abdul-Hamids, noch mehr durch die Aufschwungsbewegung der Jungtürken, über alle anderen eine panislamische Tendenz, welche auch mit europäischen Methoden, Kongressen, Zeitungen und Missionen arbeitet- Dieser Artikel ist vor Ausbruch des Balkankrieges geschrieben, doch wird der engere Zusammenschluß der islamischen Elemente durch denselben sicher keine Minderung erfahren. X 244