Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Sidon
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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So. treffen sich hier oft auch jüdische Reisende, namentlich in dem großen europäischen Kaffeehaus am Strande, dem Versammlungsort der ganzen Stadt, wo sich namentlich deren Würdenträger treffen und arabische Müßiggänger viele Stunden bei Nargile und Würfelspiel verträumen. Sidon ist wie Tyrus auf einer Kalbinsel erbaut, doch ist diese nicht mehr stark ins Meer einschneidend. Einst war Sidon eine Insel, vom Festlande durch eine Enge von mehreren hundert Metern getrennt. Die vielen Kriege, die Sidon durchgemacht hat, haben auch ihre Altertümer zerstört. Die jetzigen Bauten sind neu, es bestehen nur noch Reste des alten Hafens und zwei Türme aus der Zeit der Kreuzzüge. Der eine diente noch bis zum letzten Jahre als Kaserne, jetzt ist er wegen seiner Baufäiligkeit verlassen worden. Alle Altertümer, die der Oberfläche oder den oberen Erdschichten angehören, sind schon ausgeplündert, doch wurden tiefere Grabungen noch niemals hier angestellt. Häufig fand man Krüge mit Münzen, die meisten aus der Zeit Alexanders des Großen und seines Vaters. Die wichtigsten Funde sind das Grab des .Königs Tabnit und seines Sohnes. Letzteres, jetzt im Pariser Louvre befindlich, wurde im Jahre 1855, ersteres im Jahre 1888 gefunden. Außerdem fand Hamdi-Bey, Leiter des Museums in Konstantinopel, 26 Gräber, mit Hieroglyphen und aitkananäischen Inschriften. Die meisten Särge gehören der spätgriechischen Zeit an, sind zum Teil aus kostbarem Marmor angefertigt und mit Basreliefs geschmückt. Einer derselben enthält eine Darstellung der Kämpfe Alexanders des Großeu gegen die Perser, ein zweiter eine Frauengruppe: „Die Weinenden", ein dritter Bilder aus dem Leben eines persischen Satrapen. Sidon zählt gegenwärtig 18.000 Einwohner, der Mehrzahl nach Mohammedaner. Unter den Christen haben am meisten Einfluß amerikanische Protestanten. Sie besitzen viele Schulen .und Institute, und Sidon bildet den Mittelpunkt der amerikanischen Mission. Die kleine Stadt besitzt nicht weniger als 10 Moscheen, 9 christliche Kirchen und 4 Synagogen. Der Handel ruht großenteils in den Händen der Araber.. Seit einiger Zeit wird Sidon auch von Dampfschiffen befahren. Ausfuhrartikel sind: Orangen und Zitronen (400.000 Frcs.), Seidenkokons (300.000 Frcs.), Tabak (200.000 Frcs.), irische und getrocknete Früchte (200.000 Frcs.), Gemüse (200.000 Frcs.), Getreide (4,500.000 Frcs.) Zur Einfuhr gelangen: Erdöl (V* Million Frcs.), Zucker (72 Million Frcs.), Reis (600.000 Frcs.), Kaffee (150.000 Frcs.) Im vergangenen Jahre wurde in Saida eine Filiale der Ottomanbank, desgleichen der türkischen Agrarbank errichtet. Etwa zwei Stunden von Sidon entfernt befindet sich eine amerikanische Kolonie: Miumije. um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts zu Missionszwecken gegründet. In diesem Dörfchen steht eine für 240.000 Frcs. erbaute Schule mit Pensionat, die in allen Einrichtungen den modernsten Anforderungen der Hygiene genügt. Die Schule ist mit einem Waisenhaus verbunden und sogar eine besondere Bahn führt zu Regenzeiten die Kinder in die Schule. J. L. (nach dem „Haolam"). \ 239