Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Jahresrückschau
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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:: PALASTINA :: MONATSSCHRIFT FÜR DIE ERSCHLIESSUNG PALÄSTINAS. IX. JAHRGANG 1912 HEFT 11/12 JahresrückschaUo Der Abschluß des Jahres hat dem Reiche, welchem das Heimatland des jüdischen Volkes zugehört, schwere Wunden gebracht. Wenn auch die Stimmen, die eine Vernichtung der europäischen Türkei ausposaunten, stark übertrieben sind, so ist der Ausgang des Balkankrieges eine schwere Machteinbuße dieses Staates. Nicht anders als mit aufrichtigstem Mitgefühl kann das Schicksal des türkischen Reiches betrachtet werden, das im Laufe der Jahrhunderte der Judenheit sehr oft einen Hort der Sicherheit geboten hat, zu Zeiten, v/o die aufgeklärteren Staaten Europas sich in dieser Beziehung kaum zu gleich humaner Auffassung erhoben hatten. Wenn in den Tagen der Verzweiflung auch das seinerzeit zu sehr bejubelte Verfassungswerk wieder beseitigt wurde, so ist die ganze Situation doch noch so kritisch und so schwankend, daß von der Zukunft noch — nichts oder vieles erwartet werden könnte. Es ist andrerseits ein gutes Zeichen für die Stabilität unserer Entwicklung in Palästina, daß sie in ihrer relativen sozialen Abgeschlossenheit von all den erschütternden Wirren vielleicht weniger betroffen wurde als die großen und komplizierten, aber durch Millionen Getriebe mit einander verknüpften europäischen Verhältnisse. Denn das Wichtigste, was in Palästina geleistet wird, ist ruhige Kulturarbeit im ursprünglichsten Sinne des Wortes, deren Erfolg nur abhängt von den Eigenschaften der Menschen und der Gunst der Natur. Hier gibt es nur ein stetiges Vorwärtsgehen. Aber in dem äußeren Rahmen der politischen Bedingungen, der Rechte und Leistungen, mag die Wendung der Schicksale in der Türkei — die sie vielleicht gerade zu einer inneren Sammlung nötigen werden — die systematische Kolonisationsbewegung vor neue Probleme stellen, welche vielleicht nicht nur Vorsicht, sondern auch Geistesgegenwart erfordern dürften. Im letzten Jahre hat sich übrigens die Sympathie der regierenden Kreise der Kolonisation Palästinas in gesteigertem Maße gezeigt, wie dies namentlich darin zutage trat, daß den Kolonien zum ersten Male die Begründung eines freien Rechtszustandes 233