Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 9-10
- Article
- Der Pascha von Jerusalem über die jüdischen Kolonien
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 1)
- Language
- German
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Der Pascha von Jerusalem über die jüdischen Kolonien. Der neue Pascha von Jerusalem, Muchidi Bey, hat vor Kurzem die jüdischen Kolonien bereist, in denen er einige Tage verweilte, und sich genau über alle Verhältnisse informiert. In Rischon-Lezion berief er die Kolonisten zu einer Versammlung, in denen er ihnen wichtige Vorschläge zur Verbesserung ihrer politischen und Sicherheitsverhältnisse machte. Vor allem wird es auf Grund eines neuen Gesetzes über die Leitung der Walis möglich sein, daß jedes Dorf von wenigstens 100 Familien ottomanischer Untertanenschaft eine eigene städtische Gemeinde bilde. Damit würden die Kolonien, die bis jetzt politisch von den städtischen Gemeinden (ßaladija's) abhingen, soferne ihre Bewohner in entsprechender Anzahl die türkische Untertanenschaft annehmen, munizipale Selbständigkeit erlangen. Sie würden damit auch das Recht haben, eigene Feldwächter aufzustellen, die den Rang von „Gendarmen zweiter Klasse" hätten. Zur Erhöhung der Sicherheit würden sie das Recht bekommen, mit benachbarten Gemeinden und der Stadt in telephonischer Verbindung zu stehen und einen höheren Wachdienst zwischen diesen einzurichten. Mit der Selbstverwaltung wird auch das Recht verbunden sein, für Bodenkauf und Häuserbau eigene Kuschane auszustellen, und ähnliche Erleichterungen. Der Pascha, der Nationalität nach ein Armenier, bekannte sich selbst als Anhänger des Prinzips der Dezentralisation, das heißt der Förderung jeder Nation in ihrer selbständigen Entwicklung, und versprach die Kolonisation seinerseits in jeder Weise zu fördern. V Die Höhle Machpelah. Das Juliheft der englischen Zeitschrift des „Palestine Exploration Fund" bringt eine Reihe von Photographien dieser Grabkammern, die von der einheimischen Bevölkerung als die gemeinsame Grabstätte der Erzväter betrachtet werden. Da der Eintritt jedem Nichtmohammedaner strenge verwehrt ist — und nur ganz ausnahmsweise die letzten beiden Könige Englands und einige Forscher in die Grabmäler innerhalb der Moschee eindringen konnten — ist es begreiflich, daß diese Abbildungen die erste Photographie der Gräber „Abrahams, Isaks und Jakobs, Sarah's, Leah's und Rebekkah's" bilden. Es sind unterirdische Gewölbe, nach Art der muslimischen Grabheiligtümer je einen Schrein enthaltend, und mit kostbaren Teppichen, Silberschmuck, Inschriften reich geschmückt. Die Moschee ist indes erst aus einem Kreuzfahrerbau des 12. Jahrhunderts hervorgegangen. Sehr alt hingegen ist die Umwallung des 100 bis 200 Fuß langen, respektive breiten „Haram" oder heiligen Platzes, die die Bauart der Tempelmauer von Jerusalem zeigt. Bekanntlich verrichten die frommen Juden ihre Gebete an der Steintreppe, die zu den Grabstätten hinabführt. Die Photographien sind der „Nortern British-Israel Review" entnommen, die Schilderung einem älteren Bericht des unlängst verstorbenen Palästinaforschers Colonel Conder.