Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 9-10
- Article
- Bericht der Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Einleitung des Berichtes spricht ausführlich von der Lage der Juden in Rußland, Rumänien, Marokko, Persien, aber nicht über jene in der Türkei und in Palästina. Das Gesamtausgabenbudget der Alliance 1,632.000 Francs. In der Generalversammlung vom 17. Dezember 191J, deren Protokoll dem Bericht beigeheftet ist, erstattete Rabbiner Israel Levi einen Bericht („Causerie") über seine Inspektionsreise im Orient. Was er über die hebräische Sprache und den Zionismus sagte, charakterisiert trefflich die völlig prinzipienlose schwankende Haltung, welche die Alliance den wichtigsten Fragen des modernen Judentums gegenüber einnimmt. Levi sagte, daß angesichts des Verfalls der Religion die Juden des Orients all ihre Hoffnung auf die Kenntnis des Hebräischen setzten, als ob „Hebräisch und Religion nicht eines wären, und als ob die Frömmigkeit nicht in direkter Beziehung zur hebräischen Wissenschaft stände". Die Alliance würde sich eines Vergehens schuldig machen, wenn sie, anstatt einzig und allein das Wohl ihrer armen Schützlinge im Auge zu behalten, sich einfach mit nationalen Interessen beschäftigen würde. Ueberall sei erklärt worden, daß das Französische unentbehrlich sei. (Rabbiner Levi sieht nicht den Unterschied zwischen Unterrichtssprache und Fremdsprachunterricht). Immerhin bestrebe sich die Alliance, den Unterricht im Hebräischen, namentlich in Palästina und Aegypten zu heben, nach den Methoden, welche die Zionisten anwenden. Aber oft geben die Gemeinden Einflüsterungen Gehör und, anstatt das Hebräische zum Verständnis der Bibel und der religiösen Literatur zu verwenden, wollen sie sie zur Muttersprache und nationalen Sprache der Juden zum Zwecke der Renaissance eines jüdischen Volkes machen! Die Alliance verfolgt ein solches System nicht! * * * Von der Chalukah. Von den landsmannschaftlichen Verwaltungen der Chalukah veröffentlicht nur die des „Kolel HOD", das ist Holland und Deutschland, alljährlich einen kurzen Bericht mit genauer AbSchlußrechnung. Es wäre zu wünschen, daß die Verwaltungen in den anderen Ländern diesem Gebrauch der „Pekidim und Amarkalim der israelitischen Gemeinden des heiligen Landes zu Amsterdam" (dies ist der offizielle Name der Verwaltungsstelle des Kolel HOD) endlich folgten — es wäre jedoch auch hohe Zeit, daß sich die übrigen Kolelim endlich auch zu dem Reformwerk entschlössen, mit dem die Verwaltung des „Kolel Hod", wenn auch erst nach langjähriger, scharfer aber doch nur wohlgemeinter Kritik, insbesondere von zionistischer Seite, den anderen Verwaltungen ein gutes Beispiel gegeben hat. Im September 1906 wurde die Reform für die damals 97jährige Institution beschlossen. Sie bestand vor allem in folgenden Punkten : Aufhebung der sogenannten „kleinen Chalukah", das ist der Verteilung von minimalen Spenden von etwa 1 —2 Frcs. pro anno an Tausende von Leuten, denen damit doch nicht gedient war — Verteilung der größeren Unterstützungen nur an wirklich Bedürftige und an des Thorastudiums ernstlich Beflissene — Ueberführung eines Teiles der Jugend zu praktischen Berufen, 222