Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 9-10
- Article
- Jahresberichte jüdischer Wohlfahrtsinstitute über ihre Tätigkeit in Palästina und Syrien im Jahre 1911
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 2)
- Language
- German
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Es wurde vorläufig mit dem Werkzeichnen und kleineren Handwerksarbeiten der Anfang gemacht. Nach einem Plane Dr. Paul Nathans werden einige Talmud-Torahschulen in Jerusalem und Hebron subventioniert und soweit als möglich modernisiert, vor allem durch die Beistellung moderner Lehrer. Die Absolventen des Lehrerseminars in Jerusalem stellen einen immer größeren Teil der Lehrerschaft in den Städten sowie in den Kolonien. Aus den Einzelberichten sei noch Folgendes hervorgehoben: Kindergärten: Die Einführung der Kindergärten entspricht so sehr den Bedürfnissen der Bevölkerung, daß seitens mehrerer Orte in Syrien und Palästina (Aleppo, Damaskus) um Begründung von Kindergärten angesucht wird. Eine größere Erweiterung hat das Kindergartenwesen in Jaffa erfahren. Der jüngste dritte Kindergarten befindet sich in Tell-Awiw. Er ist auch für die in der Nähe wohnenden armen jemenitischen Kinder von kulturell wohltätigem Einfluß. In Tiberias und Beirut wird der Mangel von an den Kindergarten sich anschließenden Schulen schmerzlich empfunden. Lehrerseminar, Lämelschule und Handelsrealschule in Jerusalem. Diese drei Institute stehen in engem Kontakt miteinander. Das Lehrerseminar haben heuer 7 Kandidaten absolviert. Eine besondere Steigerung erhielt der türkische Unterricht. Eine besondere Anregung bieten die zahlreichen Ausflüge, welche den Sinn für die Natur, die Heimatsliebe wecken und die topo- und ethnographischen Kenntnisse der Teilnehmer steigern. Die Zöglinge des Lehrerseminars waren während des Sommersemesters bis nach Samaria und dem alten Sichern (Nablus) gekommen. Die Schüler der Lämelschule verteilen sich auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen folgendermaßen : Aschkenasim 213, Sephardim und syrisch-mesopotamteche Juden 111, Marokkaner 7, Jemeniter 4, Grusinier 4, Bocharer 3, Perser 3, Bulgare 1, Falascha 1, zusammen 347. Interessant ist besonders, daß je ein Falascha in der Lämelschule und im Lehrerseminar ausgebildet wird, um einmal in einer Falaschaschule unterrichten zu können. Aus dem Kreise der jüngeren Lehrer und der Seminaristen wird die Abendschule — ehemals Geselligkeitsverein? — Moriah geleitet. Desgleichen wurde zu Anfang des Schuljahres ein Turn- und Gesangsverein „Makkabi" gegründet, der sich großer Beliebtheit erfreut. Die Mädchenschule in Jerusalem gehört zu den am stärksten besuchten Instituten. Zu Ostern erhielt die Schule ihre 7. Klasse. Für Absolventinnen wird geplant, einen praktischen Fortbildungskurs einzurichten. Der Mangel geeigneter Schullokalitäten wird in dem Berichte sehr beklagt. Eine Wanderung in die Kolonieen Judäas brachte manche Zöglinge, die kaum jemals Jerusalem verlassen hatten, in unmittelbare Berührung mit dem neuen dörflichen Leben. 213