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Palästina · 1912-01-01 · Heft 7-8 · p. Seite 194

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 7-8
Article
[Rezension] / E. M.
Date
1912-01-01
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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Auch das jüdische Kolonistenleben greift tief in diese Lebensverhältnisse ein und stellt sich daher von der gegenüberstehenden Seite in eine eigenartige Beleuchtung. Wir behalten uns vor, gelegentlich eine oder die andere dieser Erzählungen wiederzugeben. E. M. Krauß S.: Die galiläischen Synagogenruinen. (Gesellschaft für Palästinaforschung. 3. Veröffentlichung). Anschließend an jene Forschungen, welche im Jahre 1905 die Deutsche Orientgesellschaft auf den Stätten alter Synagogenruinen angestellt hat, bespricht der Autor in populär-übersichtlicher Darstellung die Bedeutung, welche jene Funde gerade für jüdische Betrachter haben können. Es ergeben sich durch Vergleich mit der zeitgenössischen, insbesondere talmudischen Literatur manche interessante Tatsachen über Einrichtung der Synagogen jener Zeit, die gerade einen Wendepunkt der jüdischen Geschichte bildet, die Zeit der ersten zwei Jahrhunderte der römischen Kaiserzeit. Die meisten Synagogen sind auf aussichtsreichen Bergrücken angelegt. Sie sind zumeist nach Norden orientiert, was im Verhältnis zur Lage Jerusalems auffällt, wahrscheinlich aber bloß der Entlehnung eines Brauches aus südlich von Jerusalem gelegenen Orten entstammt. Daß die meisten Synagogen keine Bedachung hatten, den Blick in den freien Himmel gestatteten, wird für wahrscheinlich gehalten. Der Stil soll im Ganzen dem griechisch-römischen jener Zeit entsprochen haben, jedoch unter strenger Beobachtung der rabbinischen Gesetze. So gab es z. B. hier nirgends Mosaikböden. Sehr viele Synagogen zeigen einen basilika-artigen Bau und haben nicht nur religiösen, sondern anderen Versammlungszwecken gedient. In Uebereinstimmung mit einer talmudischen Forderung liegt in Tell-Hum die Synagoge unter der Erde. Reste einer Halbsäulenarchitektur weisen auf einen einfach-erhöhten Raum, der den Frauen zugänglich war. In von der Tradition ziemlich unbeengter Weise wurden mancherlei Embleme angebracht: der Weinstock, der Oelbaum, der Granatapfel, die Posaune und allerlei Tierfiguren. W. L. H o r o w i t z: Von den Juden für die Juden I. II. (Braila, Selbstverlag). Unter den Schriften über das Judentum, welche in großer Zahl die Stunde gebiert, verdient diese trotz ihrer äußerlich dürftigen Ausstattung und des schlechten, ja unorthographischen Drucks eine viel größere Beachtung als ihr wahrscheinlich infolge der Obskurität ihres Erscheinens zuteil wird. Der Verfasser erblickt im Judentum eine eben so sehr anthropologisch als geistig selbständige Existenzform. In ersterer Beziehung erscheint es ihm als grundverschieden vom arischen, aber auch als nicht identisch mit dem eigentlich semitischen Rassenelement. Wichtiger als die physische erscheint die „psychische" Forterhaltung des Volkes, die in seiner religiösen oder philosophischen Ideenwelt wurzelt. Der Unterschied zwischen arischer und jüdischer Weltauffassung erscheint dem Autor als ein fundamentaler, er äußert sich in allen geistigen Bewegungen als Gegensatz des Monistischen und Pluralistischen, selbst wo er nicht an den nationalen Träger gebunden bleibt, er äußert sich in Bezug auf Geschichtsauffassung, auf Erfassung des Ethisch-Tragischen, auf den Ausgangspunkt der Hygiene. Hier scheint der Autor allerdings in manche 194

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