Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Bedeutung der Einführung des Karakulschafes für die Landwirtschaft Palästinas
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379848-2379854-2415998--04271-2416021- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Feuchtigkeitsgrade besitzen. Die Unterschiede in der relativen Feuchtigkeit der Sommermonate zwischen beiden Gebieten fallen sehr gering aus, wenn man Jerusalem als Vergleichsstation jenen Bucharas gegenüberstellt, wo der Unterschied nur zwischen 3—8% schwankt. Für Tiberias beträgt das jährliche Mittel der relativen Feuchtigkeit um 8 Uhr früh 64%, um 4 Uhr Nachmittag 50%, ist also bedeutend geringer als in Westturkestan. Im Juni beträgt sie sogar dort nicht mehr als 35%. An Siroccotagen (Tage mit südöstlichen Winden) sinkt die Feuchtigkeit in Palästina bis auf 10% herunter und Aehnliches wird auch von Buchara angegeben. In Jerusalem ist sie nach Exner*) in den Sommermonaten um 1 Uhr Nachmittag nicht höher als 35%. Also auch Palästina darf als ein mäßig trockenes Land gelten, wenn auch nicht als ein sehr trockenes, und wenn man von dem Küstengebiet (Gaza-Haifa) absieht, besitzt Palästina dieselbe Luftfeuchtigkeit wie Buchara. Bezüglich der geographischen Lage dieser beiden Gebiete wäre zu bemerken, daß Buchara 6—10° nördlicher liegt als Palästina. Im Großen und Ganzen unterscheidet sich das Klima Palästinas nur sehr wenig von dem der Karakulheimat und die Unterschiede, die zwischen den klimatischen Verhältnissen dieser beiden Gebiete bestehen, sind zu gering, um gegen die Einführung dieser Schafe in Palästina geltend gemacht zu werden. Andererseits sind die Verschiebungen in den Größen der Faktoren so gelegen, daß sie eher als Vorteile für die Karakulzucht in Palästina gelten können. Daß Palästina einen milderen Winter und eine größere Niederschlagshölie aufweist, kann doch unmöglich als Nachteil gelten. Und namentlich was 6\a Niederschlagshöhe betrifft, ist noch immer Palästina als ein regenarmes Land anzusehen, wenn es auch nicht in fortschreitender Austrocknung begriffen ist wie das „sterbende" Land der Karakulheimat, wo die Verdunstungsmengen die Niederschlagsmengen weitaus übertreffen. Die Bedeutung und der Einfluß des Klimas auf die Akklimatisation des Bucharaschafes soll noch im Zusammenhange mit anderen Faktoren ausführlicher besprochen werden. Aber noch ein Faktor ist von Wichtigkeit, weil viele Züchter Bucharas ihm einen ausschlaggebenden Einfluß auf das Zustandekommen und die Erhaltung des Karakulpelzcharakters zuschreiben, und der wäre die Vegetation. So kräftige Beweise Hofrat Adametz gegen diese Ansicht angeführt hat, habe ich es dennoch für notwendig gehalten, auch diesbezüglich einen Vergleich durchzuführen, um aus der Aehnlichkeit dieser Gebiete auch in dieser Hinsicht die Berechtigung eines Vorschlages noch deutlicher vor Augen zu führen. Es dürfte für uns vom großen Interesse sein, daß die meisten für die Ernährung der Karakulschafe wichtigen und auf den turkestanischen Steppen verbreiteten Pflanzen auch in Palästina vorkommen. Ob sie auch hier eine so große Verbreitung haben, daß sie ais Weidefutter für Schafe in Betracht kommen, läßt sich aus der mir zur Verfügung stehenden Literatur nicht ersehen. Für mehrere Pflanzen wie z. B. Alhagi camelorum, das allgemein als Kamelfutter gilt, dürfte es vermutlich der Fall sein. Aber *) Siehe Literaturverzeichnis. 157