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Palästina · 1912-01-01 · Heft 3-4 · p. Seite 109

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 3-4
Article
[Rezension]
Date
1912-01-01
Page
Seite 109 (sequence 2)
Language
German
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jektiv beurteilt ist) eine gewisse Teilnahmlosigkeit den Fragen der Allgemeinheit gegenüber. An den Schulen wird gerügt, daß sie zu wenig die lebendige Beziehung zur neuen Heimat pflegen und auch der Umfang des Kenntnismaterials ein geringer sei, daß der ländlichen Schule überhaupt gegenüber der städtischen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt werde. Eine erfreuliche Ausnahme bilden die Kindergärten. In kurzen Zügen wird Bücher- und Zeitungswesen berührt. Von der inneren Organisation wird rühmend hervorgehoben, daß trotz der schwierigsten Verhältnisse alles — ohne irgend eine höhere Kontrolle — innerhalb derKolonieen ausgetragen wird. Diese Tatsache ist wohl imstande, das Vorurteil von der sozialen Unverträglichkeit der Juden Lügen zu strafen. Dennoch sei in vieler Hinsicht die Einrichtung einer höheren Instanz: eines vereinigten Rates sämtlicher Kolonieen wünschenswert. Von dem herrschenden demokratischen Geiste zeigt es, daß seit kurzem in sehr vielen Kolonieen das Stimmrecht in Kolonieangelegenheiten sämtlichen, nur irgend eine Steuer entrichtenden Bewohnern gegeben wurde. Die politischen Verhältnisse findet Smelianski noch immer recht ungünstig. Auf der einen Seite Hetzereien, namentlich seitens der christlichen Araber, auf der anderen noch keine geordneten Beziehungen zur Regierung. * * * In einer Reihe von Aufsätzen im „Hapoel Hazair" behandelt A. Zioni den Stand der jüdischen Landwirtschaft in Palästina. Zunächst wird der nichtvermögende „Pflanzer" als eine ungesunde Erscheinung sowie der „jüdische Fellache" als eine Unmöglichkeit bezeichnet, da dessen Lebensbedingungen und -Gewohnheiten sich mit denen des Arabers gar nicht vergleichen lassen. Der reine Ackerbau erweist sich, auch wenn europäische Methoden eingeführt werden, zumeist als unökonomisch. Namentlich erweise sich ohne Fruchtwechsel der bloße Getreidebau als Raubbau, der dem Boden im Laufe der Jahre alle Nährstoffe entziehe. Auch die gemischte Wirtschaft, wie sie häufig verstanden wird, will der Verfasser nicht als richtig anerkennen, weil sie die Interessen zumeist auf die schwankenden Aussichten der ausländischen Märkte richtet. Weder europäische Methoden als solche noch die Industrialisierung der Landwirtschaft bedeuten für diese den Fortschritt, sondern nur die richtige Ausnützung der Bodenkräfte. Hiezu gehört auch die Einbeziehung des Futterbaues in den Fruchtwechsel, womit bereits erfolgreiche Anfänge gemacht wurden. Klee und Luzerne gedeihen so gut, daß sie drei- bis fünfmal im Winter gemäht werden können. Auch an der Menge von Düngungsmitteln kann durch den Bau von Futterpflanzen gespart werden. Derselbe läßt sich auch als Zwischenkultur von Pflanzungen verwenden. Vor allem wird hiedurch eine ordentliche Viehhaltung ermöglicht, sowohl von Mastvieh als auch von Milchkühen. Die Milchwirtschaft erfordert genossenschaftlichen Zusammenschluß. Größere Milchwirtschaften bestehen (von deutscher und französischer Seite) in Jerusalem, Latrun, in den deutschen Kolonieen, in unseren Kolonieen noch in sehr geringem Masse. 109

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