Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 9 (1912)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension] / E. M.
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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täubten Massen, die auf Schiffe verfrachtet werden und nicht wissen, wohin und wozu, sie alle werden wir nicht etwa bloß als unsere Brüder und Schwestern empfinden, sondern jeder von uns, der sich so in sich selber gesichert hat, wird fühlen: Diese Menschen sind Stücke von mir. Ich leide nicht mit ihnen, sondern i c h leide das". „Das Streben nach Einheit, nach Einheit im einzelnen Menschen, nach Einheit zwischen den Teilen des Volkes, zwischen den Völkern, zwischen der Menschheit und allen Lebendigen. Nach E;nheit zwischen Gott und der Welt". „In der Gegenwart kennt das jüdische Volk nur das relative Leben; es muß das absolute Leben, es muß das das lebendige Judentum wiedergewinnen". E. M. Dr. Arthur Ruppin: Die Juden der Gegenwart, (jüdischer Verlag, Köln-Berlin.) Gegenüber der ersten Auflage, die ein Standardwerk für statistische Daten der gegenwärtigen Situation des jüdischen Volkes bildete, zeigt diese völlige Neubearbeitung ein weniger auf die Details als auf die großen Linien gerichtetes Bild einer Gesamtanschauung über die gegenwärtige Judenheit. „Der jüdische Nationalismus" erscheint als Titel des zweiten Hauptteiles, der die positive Medaille bildet wie der erste Teil : die Assimitation, die negative in Bezug auf die Fortexistenz des jüdischen Volkstums. Wenn wir auch namentlich in Bezug auf die Bedeutung einer Eigenkultur für die Erhaltung des Volkstums viel tiefere Gesichtspunkte für bestimmend glauben als das Moment, daß die Kultur wieder als jüdische sich darstellt, während doch die Eihaltung dieses Jüdischen seinerseits wieder von der Kraft dieses zu entwickelnden Kulturelementes abhängt — so muß doch diesem Buche in ganz besonderem Maße sein Streben nach voller Objektivität der Tatsachen nachgerühmt werden. Man möchte fast sagen, daß der Verfasser sogar die Wertung der sich darbietenden Erscheinungen vermeidet. Andererseits enthält gerade das betreffende Kapitel sehr beachtenswerte Bemerkungen über die Ursachen, welche die jüdische Kultur zu einer isolierten gemacht haben und „über den Anknüpfungspunkt, an dem dieselbe der modernen Weltknltur wieder angeschlossen werden könnte". Daß die Assimilation und andere Erscheinungen in den Gesichtspunkt der historischen Vergleichung und Entwicklung geführt werden, ist besonders bemerkenswert, da der Leser dadurch auf merkwürdige Tatsachen der jüdischen Bevölkerungsbewegung im Laufe der Geschichte aufmerksam wird. Doch scheint gerade zu der Analogisierung das völlig Eigenartige der verschiedenen Zeitalter — wie eben auch des jetzigen — mit herangezogen werden zu müssen. Die Charakteristik der Schichten der jüdischen Bevölkerung Europas ist äußerst gelungen, doch glaube ich, daß die ökonomischen und die Ursachen des Milieus für die Erklärung der ideellen Erscheinungen, welche ja den Verfasser nahe berühren, doch nicht ausreichen. Sehr wertvoll sind die Kapitel, welche die palästinensische Kolonisation selbst betreffen und auch die jeder Parteischablone entrückte Darstellung des Zionismus als jüdische Konzentrationsbewegung, sowie der spezifischen nationalen Kolonisation in Palästina, wo wir nicht den Statistiker der Gegenwart, sondern auch den auf dem Felde der Zukunft Wirkenden sprechen hören. E. Müller. 47