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Palästina · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
9 (1912)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension] / B.
Date
1912-01-01
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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betreffenden Größenverhältnisse der Länder miteinander vergleicht. Die Verhältnisziffern sind außerordentlich günstig für diejenigen Mächte, die wie Spanien, Italien und Deutschland großen Bevölkerungsüberschuß haben, und überaus ungünstig für England und Frankreich, die den größten Kolonialbesitz aufweisen. Trietsch meint daher, daß diese letzteren ihre Kolonien, nament ich die islamischen in Nordafrika, auf die Dauer nicht werden halten können und diese mit Anlehnung an die Türkei selbstständig werden müßten. Im nahen Orient haben heute schon von allen Ausländern — und dies ist wieder ein Moment, das sonst nicht beachtet wird — die deutschen eine Sprachenhegemonie errungen. Unter Miteinrechnung der aschkenasischen Juden befinden sich nach Trietsch in der Türkei 120.C00 deutschsprechende Einwohner, auf der übrigen Balkanhalbinsel ca. 300.000. — Vom Panarabismus hält der Verfasser nichts. Er weist auf die ungeheuren Entfernungen hin, welche zwischen den einzelnen Gebieten mit arabischer Bevölkerung bestehen, die meist durch Wüsten von einander getrennt sind, und auf die geringe Rassenverwandtschaft, der als Araber bezeichneten Völkerschaften, die auch keinerlei gemeinsame Wirtschaftsinteressen hätten. Die Vorherrschaft der Türken im osmanischen Reich sei fest begründet. Das Büchlein ist, wie alle Arbeiten des Autors sehr instruktiv und anregend geschrieben, wenn man auf dem Flug seiner manchmal den tatsächlichen Verhältnissen und ihrer langsamen Entwicklung weit voraus eilenden Phantasie — er spricht z. B. auch von einer nahe bevorstehenden Regermanisierung Oesterreichs! — nicht immer folgen kann. B. *Ä Aus Zeitschriften. Die bekannte hebräisch-literarische Zeitschrift „Haschiloach" feiert das fünfundzwanzigjährige Bestehen durch eine Jubelschrift, in dem die bekanntesten Mitarbeiter durch Beiträge vertreten sind. Auch mehrere Palästinenser sind darunter. Von besonderem Interesse für den Palä>tinafreund ist u. a. ein Aufsatz des eben aus Palästina zurückgekehrten Achad-Haam, der, ehe er noch die zahlreichen Eindrücke seines mehrmonatlichen Aufenthalts wiedergibt, über das hebrä sehe Gymnasium sich vernehmen läßt. Achad-Haam erblickt darin ein gesundes und hoffnungsvolles Unternehmen, das über die ursprüngliche Tendenz, den Kindern einer gewissen Bevölkerungsschichte durch eine europäische Mittelschule das Bleiben im Lande zu ermöglichen, hinausgewachsen sei. Unwillkürlich stelle sich die Notwendigkeit dar, der äußeren Gründung einen bestimmten pädagogischen Inhalt zu geben, der den Typus moderner Bildung und jüdischer Geistesart zu vereinigen hätte. Nur seien hierüber die Ansichten der einzelnen Lehrer noch verschieden. Insbesondere nimmt Achad-Haam in gemäßigter Weise — sich zugleich gegen die Uebertriebenheiten der deutschen Orthodoxie wendend — Partei gegen die dort gepflogene Methode des Bibelunterrichts, welche durchaus nicht eine wissenschaftlich wirklich fixierte Form der Bibel, sondern eben auch nur das Resultat 22

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