Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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griff genommen. Dieser erste Teil der Arbeiten wird noch in diesem Jahre fertiggestellt sein. Für die ganzen projektierten 800 Kilometer rechnet man eine Bauzeit von drei Jahren. — Die Pazifizierung des Hauran geht langsam von statten. Die aufgebotene Heeresmacht hatte an manchen Stellen Widerstand zu bestehen. Die Entwaffnung der Bevölkerung soll bald vollkommen durchgeführt sein. - In Paris hat sich eine Societe Generale d'Entreprises de l'Empire Ottoman mit einem Kapital von vier Millionen Francs konstituiert. » Der Libanon. Von Schalom Asch (aus der „Palästinareise a). Das Meer liegt versunken in dunklen, geheimnisvollen Schlaf und die Nacht lagert über ihm wie ein schwarzes Ungeheuer, das sich hinabgesenkt auf die unendliche Fläche und sie ganz bedeckt hat mit seinem schwärzlichen Gefieder. Und das Meer hat sich wie ein Kind an die Brust des Riesentieres geschmiegt und schlummert still; nur manchmal scheint es, als sollte jetzt und jetzt das Riesenkind aus seinem Schlummer emporfahren und ungebärdig alles Dunkel von sich abschütteln. Doch dann wird es wieder ruhig und still. Dann und wann glitzert ein glänzender Lichtstreif auf seiner unendlichen Weite oder ein glänzender Himmelsstern spiegelt sich schelmisch auf seinem mächtigen Rücken; von fernher hört man das ernste, tiefe Brausen der Brandung, als wäre es der chwere Atem des schlummernden Meeres, und schreckhaft klingen die geheimnisvollen Töne. Doch furchtlos und sicher, als baute es auf Gottes Gnade, zieht unser Schiff seinen Weg, über sich den sternbesäeten Himmel, unter sich die dunklen^Wasserweiten; es zieht dahin, wie ein stiller, geheimnisvoller Sendbote, der die ganze Welt durchwandert, um irgendwo seine ungekannte Sendung ausführen. So sucht unser Schiff lein langsam, tastend seinen Weg durch des Meeres weite Unendlichkeit. Wenig Menschen sind auf unserem Schiffe in dieser Nacht. Die letzte Nacht ist's für das Schiff, das von den griechischen Gestaden gezogen kommt, um im syrischen Port seine Anker auszuwerfen. Da und dort sieht man einzelne Gestalten auf Deck umherwandeln oder nachdenklich auf den Bänken sitzen; sie erwarten die Morgensonne, die emporstrahlen soll über dem Libanon. Unruhvolles Sehnen hat alle ergriffen, die auf dem Schiffe weilen; denn sie sollen das heilige Land sehen. Dort im Winkel kauern die alten Juden, welche nach Erez-Israel fahren, um den Tempelberg und alle die geheiligten Städten zu sehen und bei ihnen zu sterben. Beim Scheine ärmlicher Lichtlein beten sie Psalmen; und ihre Weiber stehen bei Seite — ach! arme, sündige Judenweiber, die an dem frommen Chor nicht teilnehmen können — und sie reiben sich verlegen die Hände an den nassen Schiffsplanken, die vollgesogen sind mit Meeresfeuchte. Sie beten, was sie gerade noch können; die eine murmelt etwas aus einem Weibergebet- 273