Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- [Rezension] / l.
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379827-2379837--03326-2415548- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
welche ich zum Beispiel darin erblicke, daß er die rabbinische Literatur, „die mit wenigen Ausnahmen nicht weiter als bis in die letzten Jahrzehnte des zweiten christlichen Jahrhunderts hinaufreicht*, nur als gute Quelle für die Kenntnis der Satzungen und Gesetzesauslegungen zur Zeit Christi gelten läßt; es gibt in der rabbinischen Literatur aber viele bedeutend ältere Bestandteile und ihre auch von Benzinger anerkannte gute Tradition muß uns diese Literatur als Quelle auch für die vorchristliche Periode gelten lassen. Nach diesen Bemerkungen soll versucht werden, den Inhalt des Buches, das gleich nach dem Erscheinen der ersten Auflage dank der stupenden Belesenheit seines Verfassers und seiner außergewöhnlichen Gründlichkeit zu einem Standard work der christlichen Theologie geworden" ist, kurz zu skizzieren: Der erste Teil: Land und Leute, geht von den verschiedenen Namen Palästinas und seiner einzelnen Striche aus, gibt eine eingehende Geographie Palästinas mit Berücksichtigung der oro- und hydrographischen wie klimatischen Verhältnisse, seiner Fauna und Flora. Längere Abschnitte sind gewidmet der Topographie Jerusalems, den vorisraelitischen Bewohnern des Landes und ihrer Kultur, der allmählichen Entwicklung der israelitischen Kultur. Die jüdische Kultur ist nach Benzinger 1. einseitig, sie kennt nur ein Bildungsideal, das Gesetz; 2. cie Religion wird veräußerlicht. So bezeichnet B. das stete Eingreifen der Religionssatzungen in das praktische Leben; 3. die jüdische Kultur ist exklusiv gegen fremde Einflösse. Der zweite Teil, die Privatalterlümer, ist der wertvollste und entschieden interessanteste Abschnitt des Buches, der für den traditionstreuen Juden auch den Vorzug besitzt, am wenigsten Widerspruch zu erwecken. Der Verfasser geht hier mit minutiöser Genauigkeit daran, uns das tägliche Leben der Hebräer zu rekonstruieren, was dem Verfasser auch in trefflicher Weise gelungen ist. Was nur irgendwie über Nahrung, Kleidung, Wohnung, Familie, Gesellschaft bei den Hebräern gesagt ist, was immer über ihre Beschäftigung in Ackerbau, Handwerk, Handel, Jagd, Kunst und Wissenschaft erwähnt werden könnte, hier ist alles zusammengetragen. Freilich scheint auch hier einiges mehr auf die vorisraelitischen Bewohner Palästinas zu passen, manches, wie das zum Beispiel auch sonst in der Literatur herumspukende Totenopfer der Juden beruht auf mißverständlicher Auffassung Von Bibelstellen, andere Punkte, wie zum Beispiel das Fasten um Tote, hätten ergänzt werden können (man vergleiche zu den beiden für diesen Brauch angeführten Stellen auch Sam 131, 13 und II 3, 35 zum Beispiel Sam II 12, 20)! Aus diesem Teile wären noch die Kapitel über die Schrift, über Maße und Münzen hervorzuheben. Der dritte Teil des Buches enthält die Staatsaltertümer. Er handelt über die Stammesverfassung, über das israelitische Königtum, über die nachexilische Verfassung, über das israelitische Recht, sein Verhältnis zu Hamurabis Gesetzgebung, über das Straf- und Privatrecht wie auch über die Gerichtsbarkeit; den Abschluß bildet eine eingehende Darlegung des Kriegswesens. Der vierte Teil des Buches umfaßt die Sakralaltertümer in fünf Hauptabschnitten, von denen je eines die Stätten des Gottesdienstes, die Priester, die Opfer, die Feste und die kultische Reinheit behandelt. Naturgemäß sind es gerade diese beiden Teile, in denen die abweichende Anschauung des Verfassers über die Entstehung der Bibel von unserer jüdischtraditionellen am meisten zur Geltung kommt. An einigen Stellen scheint seine „Babel"sucht entschieden zu weit zu gehen, wenn auch wieder manche auf die kultische Verwendung bestimmter Symbole und Zahlen bezogene Bemerkungen zwar nicht gerade babylonische Ursprünge, aber doch weitere Beziehungen des altorientalischen religiösen Geisteslebens plausibel zu machen scheinen. Das Buch ist ungewöhnlich gut ausgestattet und enthält über 250 Illustrationen, die die palästinensische Archäologie von den ältesten Zeiten bis zum Untergange des jüdischen Reiches erläutern. — 1 — 268