Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Gesellschaft für Palästinaforschung
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 2)
- Language
- German
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den Herren Professoren Sobernheim, Mittwoch, Warburg, Lewiß und Herrn Dr. Friedemann zusammensetzt. Den Vorstand bilden außer den Genannten die Herren Dr.J. Ginsberg (Vorsitzender), Berthold Israe 1, Stadtrat Simkiewicz, Geh. Regierungsrat Aron, Maler Struck, Justizrat Dzialoczynski. Die bereits zahlreichen Mitgliedsanmeldungen lassen erkennen, welch reges Interesse für die Gesellschaft herrscht, und die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß ihr bald die Lösung großer Aufgaben gelingen wird. Der Beitrag beträgt für ordentliche Mitglieder (denen alle Drucklegungen der Gesellschaft zugehen) 30 Mark, für außerordentliche Mitglieder 10 Mark jährlich. Zuschriften sind an Herrn Dr. Ginsberg, Karlsbad 7, zu richten. *Ä Machanajini. Wer jemals in Rosch-Pinah war, erinnert sich gewiß ^dex-lwunderrbaren Ebene, die sich, südlich des Meromsees ausbreitet. Mitten in dieser Ebene wurde vor elf Jahren die Kolonie Machanajim gegiündet, die, als die Zahl ihrer Häuser auf, zwölf angewachsen war, zu sinken begann. Die Kolonisten verließen die Kolonie, in einzelnen Häusern siedelten sich „Charaten" an, die aus ihnen Hürden und Stallungen machten — die anderen Wohnungen blieben leer und verlassen und wurden schließlich Ruinen gleich. Etwa eine Viertelstunde von Machanajim steht noch ein großes Haus mit acht Zimmern, daneben andere Gebäude, die nun als Stallungen verwendet werden. Man nennt diesen Ort „Madschos". Zahlreiche stattliche Maulbeerbäume sind die einzige Erinnerung an die große Seidenspinnerei, die ehemals hier bestanden hat. Die Spinnerei arbeitet seit Jahren nicht mehr und die Verwahrlosung ist so weit gediehen, daß man schon begonnen hat, die Ziegel zu stehlen und zu verkaufen. Etwa zehn Minuten von Rosch-Pinah entfernt steht am Saume des Weges noch ein größeres Gebäude, das man „Madrub" nennt. Dieses war ehemals eine Mühle, aber auch von der Mühle ist keine Spur mehr vorhanden und auch hier ist alles verwahrlost. Plötzlich beginnt ein frisches Leben an den verlassenen Orten aufzublitzen. Vor eineinhalb Jahren war es, da erschien hier eine neue Art von Juden — Juden aus dem Kaukasus. Diese führten bis in die letzten Jahre in den Bergen des Kaukasus ein völlig freies Leben. Erst in den letzten Jahren begann die russische Regierung ihre Rechte zu beschränken. Sie erkannte nämlich, daß am Ende auch diese waffenstarrenden, den anderen Stämmen des Kaukasus an Kühnheit nichts nachgebenden Menschen, Juden seien, wie die des Ansiediungsrayons. Die kaukasischen Juden hingegen fühlen sich als Eingeborene des Landes und betrachteten vielmehr die Russen als bloße Einwanderer. Viele aus den Gouvernements Trosk und Dogston gedenken noch der guten Zeit, da die russische Regierung sich an sie um Hilfe wandte gegen den Helden „Schmul". Die Rechtsbeschränkungen nun verletzten diese Juden noch mehr als die des Ansiedlungsbereiches. Und dadurch begann sich bei ihnen der zionistische Gedanke immer mehr auszubreiten, um so mehr, als sie zumeist auf dem Lande wohnen und fast alle mehr oder minder große Fähigkeit in der Landwirtschaft und speziell in der Gartenwirtschaft besitzen. Noch vor den Rechtsbeschränkungen hatten auch mehrere Familien beschlossen, das Land zu verlassen und sich in Palästina als Bauern anzusiedeln. 256