Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Neuerungen in Jerusalem
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 1)
- Language
- German
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Neuerungen in Jerusalem. Wie verschiedene Blätter melden, wird Jerusalem in Kürze ein städtisches — allerdings nicht allgemeines — Telephonnetz erhalten, das den Verkehr zwischen verschiedenen Polizeistationen, Postämtern. Banken und einigen größeren Geschäfthäusern vermitteln soll. Französische Ingenieure studieren an Ort und Stelle die Frage der elektrischen Beleuchtung sowie einer elektrischen Straßenbahn, die das Jaffator mit dem Bahnhof und der Neustadt verbinden soll. Der wiederholt gemeldete Bau einer neuen Wasserleitung wird ohne Zweifel zustande kommen. Für die Versorgung der Altstadt soll eine Riesenzisterne auf dem Oelberg, unweit des Russenturms, für die Neustadt eine solche in der Nähe der Schneiler'schcn Anstalten gebaut weiden. Als Preis des Kubikmeters Wasser für die Stadt wird 80 Centimes, für Privatwohnungen Frcs. 1.— angegeben. Jerusalem soll auch ein neues Regierungsgebäude (Serail) und eine neue Kaserne erhalten, da die bisherigen Gebäude in keiner Weise modernen Anforderungen entsprechen. Die so lange ersehnte Eisenbahnverbindung Jerusalem mit Galiläa ist dadurch der Verwirklichung näher gerückt, daß die Direktion der Hedjasbahn den Befehl erhielt, die Strecke Elfule (bei Nazareth) bis Jerusalem über Nablus abzustecken. & Kurze Nachrichtenschau. — In der Nähe der kleinen deutschen Templerkolonie Neu-Hardthof im arabischen Dorfe Tire, ist ein deutscher Kolonist, namens Fritz Unger, am 20. Juli d. J. erschossen worden. Wie die späteren Mitteilungen besagen, soll es sich um einen Akt der Blutrache handeln, da in der Nacht vom 18. Juli ein aus diesem Dorfe stammender Araber in den Weinbergen der Kolonien erschossen aufgefunden wurde, wofür seine Dorfgenosseft die Deutschen verantwortlich machten. Es ist aber unbekannt, wer den Araber, der ein notorischer Dieb gewesen sein soll, erschossen hat. Seitens der türkischen Regierung wurden auf sofortige Intervention des deutschen Konsuls energische Maßnahmen getroffen und 150 Soldaten nach Tire geschickt. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen, doch leugnen die Festgenommenen noch alle Schuld. Ueber die im Hauran vor kurzem stattgehabten Unruhen, waren übertriebene Nachrichten im Umlauf. Die Meldungen sprachen von einem „Aufstand der Drusen", welchem 600 Menschen zum Opfer gefallen wären. Genaue Nachrichten aus Konstantinopel besagen, daß es sich lediglich um räuberische Ueberfälle eines von jeher ungezügelten Drusenstammes und nicht um einen Aufstand handelt, daß ferner 62 Personen, darunter 56 Mohammedaner ums Leben gekommen sind. Die türkische Regierung hat sofort eine große Militärmacht — 27 Bataillons — aufgeboten, um den Hauran zu pazifizieren. Es ist bei der Energie, mit welcher die Regierung bei solchen Anlässen vorgeht, zu hoffen, daß dieser traurige Vorfall die endgültige Pazifizierung des Hauran zur Folge haben wird. — Infolge der Hungersnot, welche in den südlichsten Teilen Palästinas schon seit einigen Jahren herrscht, wanderten Beduinenschwärme nordwärts und versuchten mehrfache Ueberfälle auf jüdischen Grundbesitz, so in Ekron, Kastinich und Rechowot. Die Beduinen zogen oft mit Weibern und Kindern aus und gruben die Erdschollen um, um die frisch gesäten Körner zu rauben. Einige Felder wurden fast verwüstet. In Rechowot wurde bei einem solchen Angriff ein Jemeniter erschossen. — Neuerliche kleinere Ueberfälle fanden auch in Galiläa statt. In Chederah wurde aus einem ähnlichen Grunde die Wache jüdischen Arbeitern übergeben. — Auch auf Kephar Saba erfolgte im August ein Angriff von Arabern des Dorfes Kalküle, wobei ein Kolonist gefangengenommen wurde. Die Petach-Tikwaher 236