Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 10
- Article
- [Rezension] / m.
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Megiddo und neuerdings in Jericho zutage geförderten Ziegelmauern von ungeheurer Stärke. Ueber religiöses und häusliches Leben gibt uns die große aufgefundene Kultstätte in Geser Aufschluß, z. B. über die Kindesopferung und über den Brauch, die Toten im Hause zu begraben. Plumpe Idole bilden den Ursprung von Götterbildern. Hier herrschen starke babylonische und ägyptische Einflüsse, bis in die isralitische Zeit hinein. Die Kanaaniter werden auch als ein regsames Ackerbauvolk bezeichnet. Wichtige Aufschlüsse bietet die, wenn auch kärgliche Keramik. In den verschiedenen „Völkerwanderungen", welche Palästina heimsuchen, fällt die erste Erwähnung der Chabiri (Hebräer) in das 15 vorchristliche Jahrhundert. Sehr spärlich sind hebräische Urkunden gefunden worden — die herrschende Schrift war in diesen ältesten Zeiten die babylonische Keilschrift — die einzigen Funde althebräischer Schrift sind die Mescha- und die Silvahschrift. Dazu kommt ein Siegel aus der Zeit des Jerobeam mit sehr merkwürdiger Löwenfigur und eigentümliche Marken an Krugbenkeln. Die Keramik (besonders die charakteristischen Oellämpchen) zeigen einen Rückgang der Kunst, aber zugleich einen Uebergang zu späteren Formen. Wenngleich gerade aus der israelitischen Epoche verhältnismäßig wenig Material erhalten ist, so doch einige ganz eigenartige Funde, wie der angebliche Räucheraltar in Taanek mit cherubimähnlichen Figuren. Auch sonst fallen viele figürliche Darstellungen in diese Zeit, welche entweder fremden Kulturen entnommen sind (wie die babylonischen Astarte) oder Symbole der unsichtbaren Gottheit bezeichnen sollen. In Megiddo wird eine Schmiedewerkstatt aufgedeckt. Primitive Wein- und Oelpressen sowie Zisternen sind bis heute noch allenthalben im Lande erhalten. Aegyptischen Einfluß verraten die zylindrischen Siegel, phönizischen die Riesenbauten, deren mächtige Quadersteine in Jerusalem erhalten sind. Die nachisraelitische Zeit läßt neue Völker, die Edomiter, Nabetäer und Araber vom Süden her vordringen. Weniges ist uns noch aus der Makkabäerzeit erhalten: außer Gräbern noch Spuren von aus Stein gebauten Häusern bei der Burg des Makkabäers Simon. Allmählich dringt das Griechentum und später römische und christliche Art ins Land. Die archäologische Arbeit wird dadurch erleichtert, daß gerade in Palästina viele Schätze ganz unberührt von späteren Zeiten im Boden erhalten geblieben sein mögen, andererseits durch im Lande und der Regierung begründete Verhältnisse erschwert. Wir stimmen dem Verfasser darin bei, wenn er sagt: „Am schmerzlichsten ist es, daß wir an der Stelle des •alten Tempels keine Nachforschungen anstellen dürfen; gar manches Problem wäre da noch zu lösen". — m — E. Banse: Orient II und III. („Aus Natur und Geisteswelt") Verlag G. B. Teubner, Leipzig.) - Diese Bändchen sind durch die allzu große Knappheit der Darstellung nicht sehr lehrreich. Dort wo der Verfasser Behauptungen aufstellt, die von der allgemein üblichen Meinung abweichen, ist eine Nachprüfung wegen Mangels näherer Begründung nicht möglich. Die Sprache ist stellenweise derart salopp, daß sie eines ernsten Werkes nicht würdig erscheint. Im Einzelnen ist beachtenswert, daß Banse sich gegen die Ueberschätzung der Entwicklungsmöglichkeiten Mesopotamiens wehrt: Die wirtschaftliche Lage ist nicht berührt. Im Norden sind etwa 20.000 km" bebaubar, im Süden an 18.000. Alle anderen Zahlen, von denen man fabelte, beruhten auf ungenügendem Kartenstudium, ungenügender Kritik altarabischer Schriftsteller, sinnloser Ueberschätzung vergangener Kulturen überhaupt. Das übrige Land ist in Nordmesopotamien Steppe und Felsfläche, im Unterland Sumpf, Salzgebiet und ebenfalls Steppe, aus denen keine Wässerung etwas heranszupumpen vermag. Eine nähere Begründung dieses Urteils, das sich gegen fast alle Fachmänner, die je das Land untersucht haben, kehrt, wird nicht gegeben. Die Gesamtbevölkerung Mesopotamiens gibt Banse mit 2,290.000 Köpfen, die Dichte mit 6*5 per kman. — Das Bagdadbahnprojekt wird nicht sehr günstig beurteilt. Nur wenige Strecken würden sich rentieren. 233