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Palästina · 1910-01-01 · Heft 8 · p. Seite 179

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 8
Article
Chachambaschis
Date
1910-01-01
Page
Seite 179 (sequence 2)
Language
German
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ist es aber, daß Rabbi Chaim Nahum vor kurzem in Jerusalem mit allen Ehrenbezeigungen überschüttet wurde, welche die bunte Judenheit Jerusalems nur ersinnen konnte. Wie ein Triumphator zog er durchs Land. Aber am nachhaltigsten war doch der Eindruck in Jerusalem, wo er relativ am längsten weilte und wo die Hauptaufgabe seiner Mission lag. Friede sollte in Jerusalem gestiftet werden, wo er seit dem vor mehr als 3 Jahren erfolgten Ableben des dortigen Chachambaschi verschwunden war. Mögen auch bereits die hadernden Parteien kampfmüde geworden sein und sich nach Frieden gesehnt haben, — das Zustandekommen des Friedens bleibt doch das persönliche Werk Rabbi Chaim Nahums. Persönlich vor allem bezüglich des nun ernannten Chachambaschi von Jerusalem. Und das ist ein Punkt, der zum Nachdenken anregt Wie kommt es, daß der dankbare Zögling der Alliance für den ausgesprochenen Freund des „Hilfsvereines", des Auflebens der hebräischen Sprache und des jüdischen Selbstbewußtseins schlechtweg in die Schranken trat?--- Wie ein Triumphator zog Rabbi Chaim Nahum, begleitet von gelehrten und angesehenen Männern, durch das Land. Es regnete förmlich rauschende Empfänge, endlose Ansprachen und laute Ehrenbezeigungen. Städte und Kolonien wetteiferten miteinander und lösten einander ab in der Veranstaltung von Festlichkeiten und Empfängen. Die Persönlichkeit des Konstantinopler Chachambaschi allein ist es — trotz der lügenhaften Schmeicheleien in Reim und Prosa und trotz der unvermeidlichen orientalischen Verhimmelung und Lobhudelei — sicherlich nicht, welche die gesamte palästinische Judenheit aufwühlte. Es ist das graue Elend des Volkes, welches der ureigentliche Regisseur aller dieser geräuschvollen Feste und Bankette war. Das Volk lechzt nach einem Lichtstrahl, nach einem Repräsentanten, einem gemeinsamen Mittelpunkt. Und da kamen die tausende und abertausende mit ihrer persönlichen und allgemeinen Not und hängen sich an die Rockschösse Chaim Nahums. Hat er nun auch am Ende die zionistische Lektion begriffen, die ihm allenthalben durch die stille Kulturarbeit des neuen Jischuw, durch Memoranden, Adressen und Ansprachen ernster Männer erteilt wurde? Nach den letzten Nachrichten aus Beiruth ist diese Frage zu bejahen. Diese Sefardim sind ja trotz des Lobgesanges von H. St. Chamberlain („Daß aus solcher Leute Mitte Propheten und Psalmisten hervorgehen konnten, das verstand ich beim ersten Anblick", Grundlagen Band I, S. 275) neuen Gedanken gegenüber spröde und begriffsschwer. Aber den Einwirkungen des Kulturwerkes, das bis nun unter den schwierigsten Bedingungen fast ausschließlich von den Aschkenasim sowohl in materieller wie auch in geistiger Beziehung in Palästina geleistet wurde, vermögen sie sich auf die Dauer nicht zu entziehen. Und so ist doch zu erwarten, daß die beiden so lange getrennten Zweige unseres Stammes, Sefardim und Aschkenasim, am Ende sich zur gemeinsamen Fortsetzung des palästinischen Kulturwerkes zum Heile der Gesamtheit zusammenfinden werden. In Rabbi Jakob Meir wollen wir den ersten Boten dieser Vereinigung erblicken. Jaffa, Mitte Tamus. R. Benjamin. \x Zeitschriften und Bücherschau. Monatshefte für Landwirtschaft. Herausgeber Dr. Wilhelm Bersch, Verlag Wilhelm Frick, Wien 1910 Heft 1. — Ing. Rud. Koppel bespricht die Anwendung der Elektrizität in der Landwirtschaft. Dieselbe dehnt sich immer mehr aus. Der Verfasser spricht über elektrisch betriebene Häcksel-, Dresch-Maschinen, Pumpen, Separatoren, sowie über den elektrischen Pflug, der sowohl bei Tiefals auch bei Flachkultur gleich 179

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