Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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scher im allgemeinen, wie der Agrarpolitiker im besonderen, viele neue Tatsachen und Anregungen. Es gibt dort ungefähr sämtliche Stufen agrarischer Entwicklung nebeneinander: den Wüstenbeduinen, der sich seit Josuas Zeiten recht wenig verändert hat, und im Gegensatz dazu den Templerbauer aus Württemberg, der wirtschaftet, wie seine fortgeschrittensten Landsleute in der Heimat. Ueber die Bevölkerungsziffern des alten Palästina wie sie sich in der Bibel finden, bringt Auhagen einige bemerkenswerte Momente Er hat steinige Gegenden abgeritten, wo es nach der Ansicht mancher Gelehrten niemals eine wirtschaftliche Kultur gegeben haben soll, weil immer das Wasser gefehlt habe. Auhagen aber findet in diesen ewigen r Wüsten* alte Weinkeltern. Andererseits zerstört Auhagen bis auf den Rest die Behauptungen. Palästina sei im Altertum viel stärker bewaldet und infolgedessen reicher an Regen und in den Gebirgen reicher an Humus gewesen. Die Möglichkeit, ein starkes Volk in Stadt und Land zu ernähren, beruhte vielmehr auf andern Ursachen. Man kannte schon in uralten Zeiten eine Wirtschaftsweise, die neuerdings erst wieder wissenschaftlich entdeckt werden musste: die Gründüngung in Verbindung mit einer eigenartigen Pflugmethode, die auf trockenem Boden auch ohne Bewässerung zahlreiche Kulturen ermöglicht. Dazu kommen weitere Methoden, das Regenwasser zu sammeln und monatelang zu halten. Bekanntlich sind seit Schultz Lupitz die Gründüngungsverfahren ausserordentlich vervollkommnet worden und können in ihrer neuen Ausgestaltung gerade für die syrische Landwirtschaft von ausserordentlicher Bedeutung werden. Auhagens günstiges Urteil über die landwirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten, besonders der l aumkultur, sind inzwischen auch von anderer Seite bestätigt worden. Die Jaffa-Orange beispielsweise wird zwei Monate früher reif als die Orange aller Konkurrenzländer und ist den gefahrlichen Nachtfrösten viel weniger ausgesetzt, als etwa die spanische Orange. Wir heben die folgenden Schlussbemerkungen Auhagens hervor: „Was Syrien vor dem übrigen Tafelgebiet so besonders vorteilhaft auszeichnet, ist, dass hier das Gebirge and die Hochflächen nahe an das Mittelmeer herantreten und das Land Breitengraden angehört, die nichts von der erschlaffenden Wirkung der eigentlichen Tropengegend zeigen. Dazu kommt, dass in diesen östlichen Teilen des Mittelmeeres sich im Winter jene heftigen Zyklone bilden, die verhältnismässig grosse Regenmengen — Jerusalem hat jährlich ziemlich die gleiche Niederschlagsmenge wie Berlin — über das Land bringen. — Tausend und abertausend jüdische Bauern Russlands Rumäniens usw. sehnen sich danach, sich in dem Land ihrer Väter anzusiedeln, und schon jetzt wächst in Palästina eine Generation jüdischer Landleute heran, die auf den Erfahrungen der ersten unter grossen Enttäuschungen und Schwierigkeiten entstandenen Kolonien fussend, zu grossen Hoffnungen berechtigt. Dass der jüdische Bauer, der als solcher aufgewachsen ist, ebenso leistungsfähig ist, wie jeder beste andere Bauer, davon habe ich mich durch den Besuch von zahlreichen jüdischen Kolonien, in denen ich mich oft tagelang aufgehalten habe, überzeugen können. 38