Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die jemenitischen Juden
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379827-2379829-2415074--02817-2415123- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
breiten Kopf haben, ist für die Jemeniter ein langer schmalovaler Kopf charakteristisch. Auch ist ihr Gesicht im Allgemeinen schmäler und ihre Nase hat nicht die plumpe Gestalt der europäischen Juden, sondern zeichnet sich durch Feinheit, Schmalheit und leise Rückenkrümmung aus, — Eigenschaften, die an die echte Beduinennase erinnern. Wird noch hinzugefügt, dass unter den jemenitischen Juden blondes Haar und blaue Augen, die bei den europäischen Juden oft vorkommen, unbekannte Erscheinungen und dass sie von kleiner Statur sind, so ist ihr vom bekannten jüdischen Typus abweichendes Bild zur Genüge festgestellt. Während also die äussere Erscheinung der Jemeniter, infolge der übereinstimmenden Sitte der Zurücklassung von Seitenlocken, lebhaft an die osteuropäischen Juden erinnert, zeigt ihr Körperbau bemerkenswerte Verschiedenheiten. Wir haben also in den jemenitischen Juden eine Gruppe entdeckt, die von dem herkömmlichen jüdischen Typus ganz und gar abweicht. Es drängt sich deshalb die Frage auf, welche der beiden Gruppen, ob die europäische oder jemenitische, dem jüdischen Urtypus am nächsten stehe. Der einfache Menschenverstand glaubt sich berechtigt, den Urtypus der Juden als Semiten mit dem semitischen zu identifizieren. Aber der krasse Gegensatz der zwischen der Hauptmasse der modernen Juden und dem alten semitischen Typus, den man in den Arabern sich rein erhalten glaubt, herrscht, hat manchen dazu verleitet, schon den Urtypus der Juden als einen nicht semitischen zu erklären. So glaubt die jetzt herrschende Theorie v. Luschans über alle Schwierigkeiten dadurch Herr zu werden, dass sie die alten Hebräer als ein Gemisch aus Semiten, Hethitern und Amoritern erklärt. Die Hethiter sollten dabei die Hauptmasse des Volkes gebildet haben und ihnen ist die jetzt überwiegende Kurzköpfigkeit der Juden zuzuschreiben, während das blonde Element den Amoritern zu verdanken ist. Wenn diese Theorie Recht hat, dann müssen die jemenitischen Juden als Niehljuden erklärt und als judaisierte Araber betrachtet werden. Warum sollen aber im Gegenteil die Jemeniter, die so viele echte semitische Züge zeigen und die Jahrtausende lang ein streng abgesondertes Leben geführt haben, nicht als wahre Abkömmlinge der alten Hebräer " gelten? Dann sind allerdings die europäischen Juden keine Juden. Aus dieser allzu kurzen Darstellung der Sachlage ist zu ersehen, dass die Frage über die Herkunft und Zusammensetzung der heutigen Juden noch lange nicht gelöst ist. 17