Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die jemenitischen Juden
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379827-2379829-2415074--02815-2415121- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dr. S. Weissenherg, Elisatoethgrad. Die jemenitischen Juden. In den Strassen Jaffas und Jerusalems (allen dem Wanderer hagere sehnige Gestalten auf, die die schwersten Arbeiten verrichten. Sie stechen von der Umgebung durch ihre dunkle Hautfarbe und tiefschwarzen Augen und Haare ab, ihre Seitenlocken (Peies) aber verraten sie auf den ersten Blick als Juden. Es sind auch Juden aus dem fernen und heissen Jemen, die seit etwa 30 Jahren unaufhörlich in grossen Scharen nach Palästina einwandern. Ihre Geschichte ist in völliges Dunkel gehüllt. Sie selbst geben an, von den Juden abzustammen, die nach der ersten Tempelzerstörung nach Jemen geflohen sind. Als dann die babylonischen Gefangenen unter Esras Führung nach Jerusalem zurückkehrten, soll Esra nach Jemen geschrieben haben und die dortigen Juden um Teilnahme an der Wiederherstellung der heiligen Stadt gebeten haben. Diese glaubten aber, dass die Zeit dafür noch nicht gekommen sei und blieben in Jemen, wofür Esra den Bann gegen sie ausgesprochen haben soll, der seitdem auf ihnen lastet. Dagegen ist es historische Tatsache, dass im Anfange des 6. christlichen Jahrhunderts in Jemen ein selbständiges jüdisch-hinyaritisches Reich bestand. Es war zwar von nur kurzer Dauer, aber einer seiner Proselyten-Könige, Jussuf Dhu-Nowas, zeichnete sich durch starken religiösen Eifer aus, der ihn sogar zu Christenverfolgungen verleitete, was die Ursache der Zerstörung seines Reiches durch den äthiopischen König Elesbaa war. Die infolgedessen wahrscheinlich stark reduzierten jüdischen Gemeinden fanden möglicherweise kurze Zeit darauf Verstärkung durch Flüchtinge aus den durch Mohammed vernichteten zahlreichen jüdischen Gemeinden im Norden Arabiens. Alles dies spricht dafür, dass Arabien im Altertum und im Mittelalter eine Zufluchtsstätte für die wegen der ständigen Wirren in Palästina zur Auswanderung gedrängten Juden war. Für einen steten Austausch zwischen Arabien und Palästina spricht auch der Umstand, dass die jemenitischen Juden die ge-. sanite rabbinische Literatur kennen und in religiöser Beziehung auf talmudischem Standpunkte stehen. Auch teilen sie mit der übrigen Judenheit die heisse Liebe für ihre alte Heimat, die sich in ihren liturgischen und Volksliedern kundgibt und die bei dem zur Mystik veranlagten Völkchen wahrscheinlich die Haupttriebfeder für die, massenhafte 15