Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Palästina-Aphorismen
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 1)
- Language
- German
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Dr. Emil Levy-Berlin. Palästina-Aphorismen. l. Wollen wir der jüdischen Nation den Platz anweisen, auf dem sie ihre völkerverbindenden Neigungen und Fähigkeiten am fruchtbringendsten für die Menschheit entfalten kann, so gibt es keinen idealeren Punkt auf unserm Planeten, als jener Ort, wo drei Weltteile zusammenstossen. „Wäre Palästina nicht, so müsste man es erfinden". 2. Was wir wollen, im Bilde sei es ausgedrückt. Aus dem Abäje, dem Mantel der Palästinenser, ist unser Talith entstanden. Die Schaufäden behalten wir; aber aus dem Talith wollen wir wieder eine Abäje machen. 3. Ewiger Schnee auf Hermon's Höhn, tropische Glut im Jordanstal: hier die schauervolle Wüste und dort die üppigste Fruchtbarkeit. Wie ist doch das Land zum Bilderbuch deiner wechselvollen Schicksale geworden, o Israel! 4. Es war an der Tempelmauer und die Schatten der grossen Vergangenheit senkten sich auf mich. Ich sah Salomo opfern in königlicher Pracht, Jesaia erbeben vor der Nähe des Allgewaltigen, Juda Makkabi über Blut und Leichen schreiten. Uebermannt von Grösse, trunken von Stolz wollte ich umfassen die heiligen Steine und mit geschlossenen Augen sie küssen — endlos küssen — — —, da kam eilends ein frommer Bruder und handelte mir einen Silbersekel ab für ein Kerzlein und Seelengebet. Und ich rief aus: Armes Israel! Deine Toten sind lebendig, und Deine Lebenden sind tot! 5. Trauernde Frauen, die mit geschorenen Häuptern niederkauern um ihre verzauberte Königin, das sind die nackten Berge rings um Jerusalem Ist aber Zion erlöst, dann werden die Fürstinnen jubelnd mit Strömen Oeles ihr Haupthaar salben. 14 SP§§