Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 12
- Article
- [Rezension] / Hirsch, Hermann
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 616 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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616 Besprechungen. Kolonisations-Revisionismus. Von Dr. E. Soski ri (Wien i9%7). Keinem Leser dieser -Zeitschrift wird der Name Dr. -Soskins unbekannt sein. Er hat das große Verdienst, als erster auf viele Fehler der-zionistischen Kolonisation hingewiesen zu halben und noch-immer vor der vetiehlten Siedlungspoliti'k in Palästina. zu .warnen. Viele seiner Ideen. sind schon Allgemeingut geworden und es ist zu begrüßen, > daß er—in: der Broschüre „'Kolonisati.ons-iRevisionismus" seine Gedanken über die landwirtschaftliche Kolonisation in kurzer, übersichtlicher Form zusammenfaßt. Die iBroschüre. stellt einen großangelegten Aulbauplan dar, für dessen Realisierung die vorherige 'Erfüllung gewisser Forderungen eine conditio sine qua nön jst. <Zu den wichtigsten dieser Forderungen gehört die Rationalisierung des palästinensischen Bodens und Reservierung des gesamten zu verkaufenden Grundbesitzes (für die jüdische Kolonisation zu Vorkriegspreisen. Ferner verlangt er gleiche Besteuerung des (Bodens, auch wenn er nicht bebaut wird i('Henry Georges „Single taj:'*), um die Effiendis zum Verkauf des unkultivierten jBodens zu veranlassen. Eine andere Forderung, ist die nationale Regelung der. so wichtigen Bewässerungsirage durch ein zu schaffendes^ mit weitgehenden Vollmachten yersehene« Wasseramt. Endlich fordert er von der Regierung die Zinsgaranitie für eine große düdische, iKdonisatlonsaniieiHe, wie es .auch 'Dr. iRü<ppi;n, in letzter Zeit ähnlich tut. Die Wiichtigikeit der .Eriüitog dieser Forderungen für unser Aufbauwerk werden . bestimmt alle Zipnisten anerkennen und darum aus allen Kräften unterstützen/ Etwas «kritisch stimmen muß es jedoch, daß Dr. Sosskin von der Erfüllung dieser Förderungen den Beginn der Kolonisation nach seinen 'bekannten intensiven Methoden (10 Dunam Parzelle auf bewässertem (Boden) abhängig machen will. Er röllt damit von neuem das Problem der iPlankolonisation amf, das schon so alt ist wie der Zionismus. Soll man mit dem iBeginn der 'Kolonisation warten,- , bis alle wünschenswerten Voraussetzungen erfüllt sind, odier statt dessen alle sich ibietenden Gelegenheiten zum Vorwärtskoß*men benützen? Bekanntlich stitrante )ja Herz! nur gan-z widerstrebend einem sofortigen Beginn der (Kolonisation zu. Die Ereignisse -haben trotzdem gezeigt, daß dies richtig war, und .'bei aller Hochachtung vor. ■, der Persönlichkeit Dr. Soskins ist es nach den 'bisherigen zionistischen Kolonisationserfahrungen schwer, an seinen ein wenig zu theoretischen Kolonisationsplan zu glauben. Weder werden in absehbarer Zeit die oben erwähnten Vorbedingungen erfüllt sein noch sieht man die für die ersten drei Jahre nötigen '5000 Familien mit 100 bis 200 äg. Pfd. Eigenkapital noch ist anzunehmen, daß die vorläufig noch unerpröbten Kolonien von heute auf morgen Absatzmärkte für ihre Produkte finden werden. (Nichtsdestoweniger bin ich der festen Ueberzeugung, Niaß das zionistische Ziel — aus Palästina ein dichtbevölkertes .Judenland zu machen — nur durch intensive .Kleinsiedlung realisiert werden kann. Sie wird aber nur dann von (Rückschlägen verschont bleiben, wenn sie an das schon Bestehende anknüpft und sich organisch auf das von Dr. Soskin gezeigte.große Ziel hirienrwickelt. Wie das erreicht werden -kann, habe ich an anderer Stelle ausführlich gezeigt. (In der (Broschüre „Gedanken zur zionistischen Kolonisation auf unibewässerten Böden'',-die demnächst durch uns ediert werden wird. Anm. d. IRed.) Trotz dieser Einschränkungen stellt Dr. Soskins Broschüre einen wertvollen Beitrag zur Diskussion zionistischer (Probleme dar, deren Lektüre jedem empfohlen werden kann. Agronom «Hermann Hirsch, Der britische Mandatsstaat Palästina im Rahmen der Weltwirtschaft. Yon Dr. H. J. Seid e lr Verlag W. de -Gruyter & Co., Berlin-Leipzig, 1936. — Diese im vorigen Jahre erschienene Schrift will hauptsächlich prüfen, „inwieweit das Land als Interessengegenstand der verschiedenen Großmächte, der (Religionen, der Rassen, in seiner Entwicklung (beeinflußt wird". Der Verfasser gibt einen kurzen Uebertblick über die Landesver-