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Palästina · 1938-02-01 · Heft 2 (Februar 1938) · p. Seite 80

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Journal
Palästina
Volume
21 (1938)
Issue
Heft 2 (Februar 1938)
Article
Die Frage der Unabhängigkeit Syriens
Date
1938-02-01
Page
Seite 80 (sequence 3)
Language
German
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Sprengstoff, von außen droht die Gefahr, daß der Norden des Landes mit dem Hafen Alexandrette, Aleppo und Antiochia, sowie Norddschesireh von den Türken annektiert werde. Daß die Handvoll Politiker von Damaskus, die den Staat regieren, dessen schweren wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Problemen gewachsen sein werden, ist mehr als fraglich. Trotzdem agitieren die Nationalisten für den völligen Rückzug Frankreichs aus dem Lande und die Aufhebung aller Rechte des bisherigen Mandatars, von denen nach dem neuen Vertrag ohnehin nur sehr wenig übrigbleiben werden. Das hieße aber, daß Frankreich auch den Schutz des syrischen Staates aufgäbe, der einzigen Gewähr dafür, daß Syrien nicht hilflos seinen übermächtigen Nachbarn preisgegeben wäre. Aber der nationale Extremismus kennt keine Grenzen, und es ist zu befürchten, daß Syrien einer sehr trüben Zukunft entgegengeht. Dies umsomehr, als Frankreich die dreijährige Uebergangszeit zur Lösung seiner Positionen und Einrichtung der selbständigen syrischen Verwaltung schon am 1. Jänner 1937 beginnen ließ, obzwar der Vertrag bisher nicht unterzeichnet! wurde. Dabei hat die französische Mandatsherrschaft selbst zwar in bezug auf Straßenbau, Sicherheit, allgemeine Verwaltung sehr viel geleistet, aber für die ökonomische Hebung der Bevölkerung wenig getan. Eben jetzt wird eine Untersuchung der amerikanischen Universität Beirut bekannt, die sich auf einige bäuerliche Bezirke erstreckte. Die Resultate sind erschreckend. 65°/o der Einnahmen des Fellachen werden von Steuern und Zinsen aufgezehrt, davon sind Steuern allein 35^, indes die Städter mit bloß ca. 1,8<>/o ihrer Einkünfte belastet sind. Die Säuglingssterblichkeit ist 30,0°/«, die Produktionskapazität ist ebenso gering, wie die des palästinensischen Fellachen usw. In Syrien und Libanon gibt der Staat bloß 1,6°/o seiner Einkünfte für die Landwirtschaft aus. Nur ein Sechstel der Schüler besuchen staatliche Schulen. Im Libanon und Syrien gibt es bei einer Bevölkerung von 3l/2 Millionen bloß 80.000 Schüler — in Palästina mit 1,3 Millionen Einwohnern war der Stand von 1936: 137.000. Obzwar also Syrien allen Grund hätte, zunächst die Existenzbedingungen seines eigenen Volkes zu bessern und die vorliegenden schwierigen politischen Probleme zu lösen, gibt es dem Mufti völlige Handlungsfreiheit, läßt ihn Freischaren über die palästinensische Grenze schicken und die führenden Politiker des Landes werfen sich in Paris und London zu Exponenten der arabischen Extremisten Palästinas auf. Vielleicht ist das nur daraus zu erklären, daß der Nationalismus heute unter den Arabern die einzig bewegende Macht ist, sondern auch, weil das durch die Juden reich gemachte finanzkräftige Palästina ein guter Bissen für die armen arabischen Nachbarstaaten wäre, wie denn auch in der arabischen Presse fortwährend von den Plänen einer Vereinigung Palästinas (einschließlich Transjordaniens) mit Syrien oder mit dem Irak die Rede ist. Der letztgenannte Plan ist besonders grotesk. Palästina ist vom Irak durch Wüsten getrennt, es ist ein Mittelmeerland, indes der Irak zum persischen Golf tendiert. (Während der Drucklegung erschien ein Dementi des irakischen Ministers des Aeußeren, Irak denke nicht an die Annexion Palästinas. Amtliche Dementis haben aber in der letzten Zeit sehr an Kurswert verloren.) Man stelle sich vor, daß Jerusalem von Bagdad aus regiert werden sollte! Jedenfalls sind die Tendenzea der arabischen Länder, Palästina zu annektieren, ein Faktor, der vom jüdischen Standpunkt aus für die Teilung und die Schaffung eines starken« jüdischen Staates spricht.

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