Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1938)
- Article
- [Rezension] / ad. bm.
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379966-2379967--26720-2414449- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
demonstrierten (23. August 1922), rücksichtslos eingriff und die Fuhrer der Meuterei verhaftete und deportierte, bevor sie noch aktiv werden konnten und dadurch die ruhige Weiterentwicklung sicherstellte, so denkt man mit Schmerz an das stete Zurückweichen der Prokonsuln von Palästina gegen mächtige Nationalistenführer und ihr viel zu spätes Eingreifen. Das Buch ist bloß der politischen Frage gewidmet und man erfährt daraus leider nur sehr wenig über die wirtschaftlichen Zustände des Landes. Die Mäßigung und Objektivität des Autors läßt auch dort, wo er Kritik übt, nicht erkennen, wie weittragend die Mißstände sind, die er rügt, z. B. die Vorherrschaft der Großgrundbesitzer mit ihrer Steuerseheu, die Rückständigkeit der Fellachen, die mangelnde Modernisierung des Ackerbaues, ferner, wie sehr die Spannungen zwischen Stadtvolk und Beduinen, Sunniten und Schiiten usw. die Regierung des Landes erschweren. Auch in der Kritik der politischen und sozialen Zustände ist der Autor sehr maßvoll. Er sieht manchen Fortschritt in der Selbstregierung, namentlich im Finanz- und Erziehungswesen, so daß er nicht die Skepsis der Mandatskommission und vieler anderer Beurteiler über die Fähigkeit des Landes, sich selbst zu helfen, teilt. Er sieht aber klar, daß es an einer herrschenden Klasse fehlt und hofft, daß sich ein;* solche durch Entwicklung eines städtischen Mittelstandes und einer Intelligenz bilden wird. Das Parlament ist zwar nützlich, ab3r zu schwach, um ein Gegengewicht gegen eine Regierung, hinter der das Militär steht, zu blden. Eine solche ist allmächtig. Der König Ghazi ist extrem nationalistisch, er billigte das Vorgehen Bekir Sidkis gegen die Assyrer, er möchte auch, wie sein Vater, die Macht in seiner Hand zu vereinigen. Doch ist er dazu zu jung und unerfahren. In der vier Jahren seiner Regierung gab es sieben (mit der jüngsten acht) Ministerkrisen. Das Buch ist vor dem letzten Staatsstreich geschrieben. Von dem jetzigen Premier, Dschemal Bog Midfai erlährt man, daß er der Führer der Erhebung gegen England in Mossul, Juni 1Ö2U, gewesen war und daß er 1934 als Ministerpräsident zurücktrat, weil er dem Künig zu wen:g nationalistisch eingestellt war. (Es scheint, daß im Irak, iicnau so wie in Aegypten und Syrien, die angestammten Führer des Freiheitskampfes der jüngeren Generation zu wenig nationalistisch erscheinen, weil sie nicht jeden Einfluß der Westmächte zu beseitigen imstande sind. Auffalienderweise ist \on der Niedermetzlung der Assyrer keine Rede, da die assyrische Frage als außerhalb des Rahmens des Buches erklärt wird. Daß der Autor die Behauptung Ahmed Rihani's übernimmt, wonach Groß* britannien mit Hussein (außer den vagen Zusagen in der Korrespondenz mit Mac Mahon) auch einen Geheim vertrag mit fixen Zusagen besessen hätte, ist unerklärlich, da nicht der geringste Beweis hiefür vorliegt und die Araber sicherlich diesen Vertragg geltend gemacht hätten. Das vorliegende Werk über den Irak, obzwar es die jüngste Vergangenheit nur sehr kurz berührt, ist eine unerschöpfliche Quelle für die Kenntnis der inneren Verhältnisse des Landes und eine Leistung ersten Ranges in der politischen Literatur. ad. bm* Moslem Women Enter a New World. Von Ruth Frances Woodsmali. Mit 30 Illustrationen und 1 Karte, Verlag Georg Allen & Unwin Ltd., London 1936, 432 Seiten, Preis sh 12/6. — Die amerikanische Universität von Beirut veröffentlicht im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Publikationen dieses Werk. Die Gründlichkeit, mit der alle Seiten der Wandlung im Leben der mos-