Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Die Weinbaukrise in Palästina
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379804-2379814-2414211--02073-2414275- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
251hl ausgeführt wurden. Der Konsum im Lande selbst ist so gering, dass er zu der Erklärung des Ausfalls nur zu einem ganz geringen Prozentsatz herbeigezogen werden kann. Die Ursachen der heutigen Weinbaukalamität gehen vor allem auf die unsinnige Kolonisationsmethode der jüdischen Ansiedlungen zurück. Als man die Beobachtung gemacht hatte, dass die deutsche Kolonie Sarona ihr Aufkommen in erster Linie der Weinproduktion verdankte, begann man in diesen Kolonien Hals über Kopf Reben anzupflanzen und Wein herzustellen. In der jüdischen Kolonie Rischon le Zion baute Baron Rotschifti mit einem Aufwand von über einer Million Mark einen Weinkeller der an maschineller Vollkommenheit kaum hinter den ersten europäischen Weinkellern zurückstand und eher an den Rhein als irgendwohin nach Palästina gepasst hätte. Das alles geschah, bevor man auch nur im mindesten dafür besorgt war, für die in Aussicht genommenen Unmengen Wein einen Absatzmarkt zu schaffen. So kam es, dass Hunderttausende Hektoliter Wein in den Kellereien lagerten und nicht verkauft werden kannten. Die Bilanz des Rothschildschen Riesenkellers in Rischon le Zion schloss mit einem jährlichen Defizit von 400 000 Franken ab, und trotzdem beklagten sich noch die jüdischen Weinbauern, dass der ihnen für Trauben bezahlte Preis viel zu «niedrig sei! Selbstverständlich war die masslose Ueberproduktion — die Kellereien von Rischon liefern jährlich 50 000 hl, setzen aber nur etwa 15 000 ohne Verlust ab — nur dazu angetan, die Preise zu drücken. Der Weinexport stieg zwar von Jahr zu Jahr, aber die Weinproduktion wurde immer unprofitabler. Ein Teil der jüdischen Weinbauern (so in Samarin) Hess hunderte von Zentnern der feinsten Trauben an den Stöcken verfaulen, ein anderer riss die Reben aus, und die deutschen Weinbauern, denen die Konkurrenz das Geschäft verschlug, folgten vielfach diesem Beispiel. Heute werden schon auf zählreichen Ländereien, die noch vor kurzem Reben trugen, Orangegärten angelegt. An Stelle des Palästniaweins wird somit die Jaffa-Orange in Zukunft mehr als bisher auf dem Weltmarkt anzutreffen sein. Türkische Agrarreformen. Zu den nötigsten Reformen, die das jungtürkische Regime zur wirtschaftlichen Hebung des Landes wird vornehmen müssen, gehört die Umbildung des Agrarrechts. Bis in die Neuzeit hinein hatte die Türkei den fremden Staatsangehörigen das Recht zur Erwerbung von Grundeigentum vorenthalten. Erst durch ein Oesetz vom Jahre 1867 wurde bestimmt, dass auch fremde Staatsangehörige zum Erwerb von Grundeigentum in der Türkei zugelassen sind, sofern deren Heimatsstaat die Erklärung ab- 216