Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Wahlen [Nachricht]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
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sich bemühen, "die Wahlen wenigstens so zu beeinflussen, dass kein un-, gewünschter Deputierter Palästina im Parlamente vorstellen soll. Im allgemeinen sind die Muselmänner geneigt mit den Juden einen Block zu bilden, um die Wahl christlicher Abgeordneten zu verhindern. Organisation. Auf die Tagesordnung ist jetzt die Frage der Organisation der palästinensischen Judenheit gekommen. Gerade jetzt, wo das politische Leben im Lande aufwacht, ist der Mangel einer starken Organisation der jüdischen „Nation" von Palästina, wie übrigens in der ganzen Türkei, fühlbar. Die Erkenntnis der Notwendigkeit einer solchen Vereinigung ist sogar in die sephardischen Kreise gedrungen, was als grosser Fortschritt gelten muss. Es werden Projektentwürfe bearbeitet, wie die jüdische Gemeinschaft, von Ottomanen mit Ausländern, zu organisieren wäre, dass sie die breiten Rechte, die die türkischen Gesetze den verschiedenen Religionsgemeinschaften gewährt, ausnutzen könnte. Es hat sich vorläufig in Jerusalem eine „Vereinigung der Ottomanischen Juden*' gebildet, mit Abteilungen in den anderen Städten und Kolonien; diese Vereinigung soll die türkischen Juden gegenüber der Regierung vertreten und am politischen Leben im Lande Anteil nehmen. Zugleich mit der Freiheit hat sich hier die Frage des Chacham-JBaschi aufgewickelt. Wie bekannt wurde, nach Annullierung der Wahl des türkischen Grand Rabbi Jacob Meir, zwangsweise der palästinensischen Gemeinde der R. Panigel als Jerusalemer Chacham-Baschi gegeben. Jetzt wurden dagegen bei der Regierung und beim Konstantinopeler Chacham- Baschi Beschwerden erhoben und neue Wahlen gefordert. Fs ist nun jungst ein Befehl aus Konstantinopel ergangen, dahinlautend, es sollen neue Wahlen eines Chacham-Baschi in Jerusalem vorgenommen werden. Die Agitation seitens der beiden Parteien fängt nun an. Administrative Nachrichten. Alle syrischen Vilayets und die meiste i Sandjaks haben ihre Gouverneure gewechselt. Der Beiruter Vilayet hatte in 2—3 Wochen sogar 4 Valis, darunter einen, den gewesenen Mutessarif von Jerusalem, Akram Bey, der, von Jerusalem gekommen, nur drei Tage in Beirut verweilte und dann plötzlich zum grossen Staunen der Bevölkerung die Stadt verliess. Den Forderungen der Bevölkerung nachgebend hat die Regierung auch den iKaimakam von Gaza und die Mudire von Beth-Lehem und Ramleh ihrer Aemter entsetzt. Infolge von Parteiintriguen hat auch der populäre Kaimakam von Jaffa demissionieren müssen. Charakteristisch für orientalische Sitten ist^ dass der Kaimakam bei seinem Abschied Zeugnisse von den europäischen} Konsulaten und den Banken einholte, dahinlautend, dass die Bevölkerung und insbesondere die Europäer mit dem Kaimakam zufrieden waren und dass er diese stets gemäss den Verträgen der Ausländer behandelte; die Anglo-Palestine Bank Jhat auch dieses Zeugnis mitunterzeichnet Wie seltsam würde es irgend anderswo, erscheinen, wenn ein Regierungs-i Präsident sich an ein jüdischen Institut um ein Zeugnis guter Aufführung wenden würde. 194