Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Zur Theorie der Kolonisation
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Kleidern, Werkzeugen, Möbeln, Saatgut mitgeben; man muss ihn zeitig gentig auf sein Grundstück bringen, dass er es urbaren und einsäen kann, und muss ihn bis zur nächsten Ernte unterhalten. Man kann diese Kosten per Familie auf nicht gut weniger als 50—60 Pf. St. veranschlagen. Sind sie erst einmal gemacht, so kann man allerdings die Existenz der Familie als gesichert betrachten, und das Land wird wahre Bürger in ihnen gewonnen haben. Die neueren Ansiedlungen sind auf eine andere Weise angelegt worden; man hat gleich von vornherein in die neuen Länder die Organisation der vorgeschritteneren Gesellschaften einführen wollen, eine Organisation, deren Nutzen für diese letzteren vielleicht noch fraglich ist, die aber jedenfalls für erste Entwicklungszustände nicht günstig ist. Man hat anfangen wollen mit der Investition grosser Kapitalien und der Einrichtung von kapitalistischen Grossgütern, und man hat darauf gerechnet dass ihre Erzeugnisse von dem Handel aufgenommen werden würden, um in entfernten Ländern verzehrt zu werden; fast immer ist man damit gescheitert. . . . Junge Völker sind auf eine ganz andere Weise zur Blüte gelangt: ihre Gründer haben an sich selbst, an ihre eigenen Bedürfnisse, an ihren eigenen Konsum und nicht an den Handel gedacht. Sie hatten zuviel damit zu tun, den Widerstand der jungfräulichen Natur und die Unsicherheit der Jahreszeiten zu besiegen, als dass sie sich auch noch den Wechselfällen des Handels hätten aussetzen wollen. Sie haben von dem Boden gerade das verlangt, was sie zum Leben gebrauchten, und sie haben gelebt; jeder Fortschritt ihres Fleisses hat ihnen nicht Exportwaren, sondern neue Genüsse und neue Bedürfnisbefriedigungsmittel geliefert. Auf der anderen Seite müssen sie allerdings ihre Genüsse auf das beschränken, was ihrer Hände Arbeit hervorbringen kann; sie dürfen nicht auf auswärtigen Märkten zu kaufen versuchen, sondern sie müssen ihre Aussaat und ihr Gesamtprodukt an Nahrung immer dem Bedürfnis ihrer wachsenden Familie anpassen. Sie müssen selbst ihre Hütten bauen, ihre Kleider weben, ihre Werkzeuge anfertigen. Wenn man uns nun fragt, wozu eine Kolonie nützen soll, die nur das hervorbringt, was sie selbst verzehrt, die nichts exportiert und nichts kauft, so antworten wir, dass sie ihre Aufgabe erfüllt hat, wenn sie glückliche Menschen hervorgebracht hat So begannen alle Kolonien der Griechen in Kleinasien und Italien, so entwickelten sich alle kleinen Völker des Altertums, während die modernen Kolonien, aus Handelsrücksichten gegründet, fagt immer schwere Krisen durchzumachen hatten und, wie Kanada und Neuengland, nicht eher angefangen haben, zu gedeihen, als nachdem die Kapitalisten aufgehört hatten, mit ihnen Spekulation zu treiben." 178