Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Wettbewerb
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Und plötzlich, an einem Sonntag, können wir vier Kameraden einander nicht gerade in die Augen schauen . . . Sie scheuen und die Augenbrauen sehliessen sich beschämt und der Blick ist manchmal sogar gehässig . . . Alle fühlen sich gegeneinander schuldig und doch ist ein jeder gerecht . . . Man hat uns vor ein Modell, einen selten schönen jemenitischen Juden, hingesetzt, aber kein Interesse ruft er jetzt bei uns hervor. Wir sehen nicht die Schönheit des Modells, von welcher der Lehrer zu uns spricht, wir hören sogar nicht des Lehrers Worte .... Einem jeden dünkt es, dass er während der Woche des Wettbewerbes den Kopf schlechter als jedesmal zeichnen werde ..... Das Herz wird ein wenig erbittert, das Ganze wird so^ etwas Alltägliches und mit einem kalten dumpfen Blick schaust du durch das Fenster in die wunderschöne palästinensische Natur hinaus . . . Automatisch ^bemerkst du irgendwo, weit weit zwischen den erglühten Steinen eine schlanke Fellachin, einen Krug auf ihrem Kopfe tragend . . . Dumpf bemerkst du es, wie im Traum . . . Und das Klingeln einer Karawane Kameele erscheint dir so überdrüssig, monoton wie das alltägliche Leben selbst . . . * * # Langsam aber haben wir so weit für das Modell wieder Interesse gewonnen, dass wir den Wettbewerb ganz vergassen. Und wieder fingen wir, wie immer, lustig und freudig gestimmt zu arbeiten an. Man singt . . . Interessant ist das Singen während des Zeichnens. Die Schüler beim Zeichnen fühlen selbst nicht, dass sie singen; das nationaljüdische Lied singt sich von selbst . . . Alles ist der Arbeit ganz ergeben, nur der Mund öffnet sich von selbst und ein schöner Gesang erfüllt das helle Arbeitszimmer. Und plötzlich verirrt sich hier ein polnisches, russisches oder bulgarisches Motiv . . . Die jüdischen Seelen, welche so lange im Golus waren, sehnen sich doch manchmal nach dem Golus . . . Und der Russe macht sich über den Polen lustig, der Pole über den Bulgaren usw. . . . Nicht ein einziger Golus existiert für uns, sondern ein jeder besitzt seinen eigenen Golus für sich . . . Und Freude herrscht erst in der Klasse, wenn man zu witzeln anfängt und interessant ist es, wie ein jeder sich bemüht, den Witz in seiner originellen Sprache zu erklären .... Also, man arbeitet, man ist lustig, als ob kein Wettbewerb wäre ... Und durchstreift irgend ein Gedanke über den Wettbewerb 17i