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Palästina · 1908-01-01 · Heft 8-9 · p. Seite 170

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 8-9
Article
Das Kunstgewerbe im Orient
Date
1908-01-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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versteht man es nicht, grössere dekorative Wirkungen zu erzielen, sondern beschränkt sich auf kleine Flachornamentationen, die im Raum meist ihr Ziel verfehlen. Am1 wirksamsten sind eigentlich die grösstenteils maschinell hergestellten Stickereien, die durch grelle Farben, Gold und Silber bestechen; sie werden fast nur in Konstantinopel fabriziert. Die IVLuster auf allen Erzeugnissen sind meist durch arabisch unleserlich verschlungene Schriften unterbrochen, die sich nrthmisch wiederholen; sie sind nur als farbige Punkte in der Raumkunst wirksam. Von Damaskus aus findet der Export in alle Welt statt, vor allem ist Kairo, als die luxuriöseste Stadt des Orients, ein grosser Konsument Damaszener Waren. Es sind meist die Reisenden, die sich als Andenken und als Kuriosität solche Sachen mit in die Heimat nehmen. Eine orientalische Zimmereinrichtung wird heute selten verlangt, da man sich als moderner Mensch nicht mehr in einem Salon mit orientalischer Ausstattung wohl fühlt. Es ist hauptsächlich der orientalische Teppich, der den Kontinent immerwährend beherrscht und auch künftig beherrschen wird. Es wird hierin in Damaskus, wie auch in anderen berühmten Städten ja hervorragend unübertrefflich Geschmackvolles geleistet, die Muster werden allerdings in Europa entworfen. In einzelnen Stätten Palästinas, besonders in Ramallag auf der Strecke Jerusalem—Samaria, werden von den Araberinnen noch ganz geschmackvolle Stickereien gearbeitet, die aber auf dem Weltmarkt ohne Bedeutung sind. Es wäre ein Aufschwung der Kunstindustrie im Orient wohl zu erzielen, wenn sich eine Anzahl kunstgewerblich gebildeter Zeichner und Maler dort niederlassen Würden. Nach deren Entwürfen und unter deren Leitung und Anregung müssten die vorhandenen Formen einer gründlichen künstlerischen Bearbeitung unterzogen werden. Alfred Lobatz, Berlin: Die Aufgaben des Bezalel. „Das Lumpenproletariat Palästinas muss aufhören, freie. Arbeiter wollen wir aus ihnen machen." Mit diesen Worten erklärte mir einst ein Freund das Wesen und die Berechtigung des Bezalel. Um dieses zu erreichen, ist notgedrungen die Arbeitsmöglichkeit die Hauptsache. Diese zu schaffen, wird die Hauptaufgabe des Bezalel sein. Der Gründung der Kunstschule in Jerusalem folgte bald die Aufstellung von Knüpfstühlen für Teppiche und die Ausbildung von Knüpferinnen. Einige Monate später konnten wir auch die auf der Schule entworfenen Skizzen für Teppiche sehen, welche, wie Herr Professor Schatz sagte, die Anfänge einer 170

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