Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 1 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Eh dieses Jahr von uns schied, hat es noch still und jäh einen unserer besten Söhne genommen. Einen von dem wir noch so viel erhofften, denn so jung er auch war, so hatte doch sein Name in allen Fernen einen guten Klang und mit aller Achtung und Anerkennung nannte man an den Akademien von Paris wie Berlin und München den Namen: SAMUEL HIRSZENBERG Mit ihm starb ein Jude, der all seinen Weltschmerz, oder vielmehr seinen Judenschmerz in den genialen Werken, die nunmehr uns und den kommenden Geschlechtern gehören? nachzittern Hess. Nie hat ein Meister in so erschüttender Weise das Golus, das Exil der Juden wiedergegeben, nie all die jüdischen Schmerzen, und das feine Fühlen und Weben der jüdischen Seele gesehen. Hirszenberg, der Lodzer Meister aus der Judengasse, hat eben seine Werke nicht nach den Idealen des Griechen „KaXco^", auf Grund formeller Forderungen gemalt, er hat ein jüdisches Moment in die Malerei eingeführt. Er schuf mit dem Gemüt.... Das Leben ist ihm nicht leicht geworden. Wollte er doch auch immer in . seinen Bildern ein Jude bleiben, der sein Judentum liebt. Und das ist schlechte Ware auf dem Markt. Aber durch all die Drangsale, die sein kurzes Leben ihn führte, wahrte er sich doch warme Sehnsucht, die bei all der traurigen Resignation durch seine grössten Schöpfungen geht, nach frischerem Licht und freierer Luft und die Hoffnung, in Erez Israel einer Freiheit entgegen zu gehen, die ihn zu neuen, lichteren Schöpfungen befähigen sollte. Aber dieser schöne Traum seines Lebens währte knapp ein Jahr. Solange war er neben Schatz als Leiter der jüdischen Kunstschule in Jerusalem, bildete junge jüdische Künstler heran und arbeitete an neuen Werken, die nicht mehr an die Leiden der Juden mahnen sollten. Da fand er übers Jahr aus dem Erez abotenu einen noch weiteren Weg in jenes Land unserer Väter, wovon nimmer einer zurückkehrte. Uns aber ergreift in der Ferne die Trauerkunde und schmerzerfüllt gedenken wir, dass nunmehr — ach viel zu früh — heimische Erde den Leib dieses grossen Sohnes unseres Volkes aufnimmt. ***