Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht dei'i Plat;: betreten durften, ohne besonderen Ferman, als Brüder titulierend, mit in die Moschee. Samstag, den 8. August fand eine offizielle Feier im Kasernenhofe statt, an der sich auch viele Juden beteiligten. Es wurden Reden gehalten, Hochrufe auf den Sultan ausgebracht. Die Juden hatten einen Torvorhang auf eine Stange gesteckt und sangen den 150. Psalm und andere hebräische und arabische Lieder. Abends fand ein Rundgang durch die Hauptstrassen statt, weiche illuminiert und beflaggt waren. Umzüge finden noch heute statt und wird dabei an die Menge Limonade unentgeltlich verteilt. Jaffa. Palästina-Korrespondenz Am 4. August fand eine Volksversammlung in der Militärkaserne unter Teilnahme des Militärs zur Feier der Gewährung der Verfassung statt. Es wurden von Christen, Mohamedanern und Juden (von letzteren in hebräischer Sprache) Reden gehalten. In allen Ansprachen und Manifestationen, die sich später auf der Strasse wiederholten, wurde betont, dass durch die Konstitution alle Konfessionen und Nationalitäten des Landes gleichberechtigt seien. Die Konstitution ist bekanntlich nur eine Reaktivierung der im Jahre 1876 erlassenen Verfassung, in der die Gleichstellung aller Konfessionen ausgesprochen wurde. Gelegentlich dieser Manifestation, nahm auch die Bevölkerung zu einem amtlichen Konflikte zwischen dem Mutessarif von Jerusalem und dem Kaimakam in Jaffa Stellung. Es wurden Telegramme nach Konstantincpel abgesandt, in denen das Vertrauen der Bevölkerung zum ivaimakam, der als fortschrittfreundlicher Beamter sich beliebt gemacht hat, ausgesprochen wurde. Man kann als sicher annehmen, dass viele osteuropäische Juden, die bisher wegen mangelnder Rechtsgarantien die türkische Staatsangehörigkeit nicht erwerben wollten, nunmehr bereit sein werden, türkische Staatsangehörige zu werden. Die Stadtverwaltung hat bei dem Bau des Krankenhauses in anerkennenswerter Weise die Parität aller Konfessionen gewahrt und bestimmt, dass ein Teil der Arbeiten den Mohamedanern, ein Teil den Juden und ein Teil den Christen übergeben werden solle. Das jüdische Hospital „Schaare Z i o 11", das seit iS Jahren in Jaffa besteht, hat vor einigen Monaten wegen Mangel an Mitteln geschlossen werden müssen. Das ist natürlich ein grosser Uebelstand, da jüdische Kranke nunmehr während ihrer Krankheit in ihren ungesunden Wohnungen verbleiben müssen und jeder vernünftigen Pflege entbehren. Nachdem neuerdings wieder einige Mittel für das Hospital eingegangen sind, hat man dasselbe wieder eröffnet, da gerade jetzt in den heissen Sommermonaten die Krankheitsfälle am häufigsten sind. Es wäre sehr zu wünschen, dass das Hospital im Auslande mehr Unterstützung fände, damit es nicht wieder nach einigen Monaten geschlossen werden muss. Die Jaffaer Bevölkerung ist so arm, dass ste das Hospital aus eigenen Mitteln nicht unterhalten kann. 133