Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Marx, versuchte der Frau plausibel zu machen, dass ein Krankenhaus wohl für kranke, nicht aber für gesunde Kinder da sei. Die Frau nahm keine Vernunftgründe an. „Entweder sie nehmen das Kind oder ich bringe es der Mission. , ,Man einigte sich schliesslich dahin, dass man monatlich eine runde Summe zahlt, wofür das Kind unter Juden bleibt. Gestern musste Herr Marx, wieder ein Kind kaufen, oder, wenn das zu derb klingt, sagen wir auslösen. Eine junge Mutter, sie war aus Aegypten gekommen, hatte ihren bildschönen Knaben von acht Jahren der Mission ausgeliefert. Nach vollbrachter Tat empfand sie Reue und kam zu Herrn Marx sich Rat holen. Heute brachte sie den Knaben. Auch dieses Kind wird jüdisch erzogen werden. Dieselbe Frau will ihr zweites Kind auch hierher bringen. Man wird Opfer nicht scheuen und der Hydra Mission noch einen Menschen aus den Klauen reissen. — Was bedeuten aber drei Fälle der grossen Zahl uns geraubter Brüder *ind Schwestern gegenüber? — Die , „Palästina"- Zeitschrift jhat ja dem verehrten "Leserkreis bereits in Ziffern bewiesen, wieviel Taufen gerade in unserer alten heiligen Stadt vorkommen. — Das Dr. Grümhutsche Waisenhaus wäre gerne bereit derartige vergewaltigte Kinder aufzunehmen, wenn? — genügend Mittel vorhanden wären! Oberrabbiner Horovicz, der früherer Oberrabbiner von Alsö- Kubin, hat dieser Tage seinen Einzug in Jerusalem gehalten. Vertreter der deutsch-holländischen und österreichisch-ungarischen Kultusgemeinden waren ihm bis Jaffa entgegengefahren. Auf dem Bahnhofe in Jerusalem haben sich die Rabbiner der heiligen Stadt -und die Vorstände der Gemeinden zur Begrüssung -eingefunden. Auf dem Deutschen Platz waren für den Gast einige Zimmer zum provisorischen Aufenthalt eingerichtet. Rabbiner und Vorsteher sämtlicher Gemeinden und Wohltätigkeitsanstalten Jerusalems sandten Begrüssungsadressen und machten auch persönlich ihre Aufwartung bei Oberrabbiner Horovicz. Der ChachairuBaschi als der offizielle Grand Rabbin von Jerusalem kam in Begleitung seiner Kollegen und richtete eine in klassischem Hebräisch gehaltene Ansprache an seinen neuen Kollegen, die Oberrabbiner Horovicz auch in hebräischer Sprache beantwortete. Der Grand Rabbin von Hebron ist auch zur Begrüssung erschienen, während die entfernteren Gemeinden Palästinas ihre Glückwünsche in kalligraphisch ausgestatteten Adressen darbrachten. Oberrabbiner H orovicz ist seither Gegenstand herzlicher Ovationen. Die ungarische und die Siebenbürger Kultusgemeinden beehrten ihren Landsmann auch mit sinnigen Aufmerksamkeiten, die in den vaterländischen Nationalfarben geschmückt waren. Das österreichisch-ungarische Konsulat war von der Ankunft des ungarischen Oberrabbiners durch die Botschaft in Konstantinopel von vornherein verständigt worden. Zwischen den Sephardim und den Yemeniten in Jerusalem waren vor einiger Zeit erhebliche Zwistigkeiten ausgebrochen, die auch wiederholt die Oeffentlichkeit beschäftigten. Herr Dr. Paul Nathan hat sowohl auf seiner ersten wie auf seiner zweiten Orientreise sich bemüht, die Streitigkeietn zu schlichten und eine friedliche Verständigung herbeizuführen. Nunmehr erhält der Hilfsverein der Deutschen Juden einen von den hervorragendsten Mitgliedern der yemenitischen Gemeinde unterzeichneten 106