Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Das Schulwerk des Hilfsvereins
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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Es wird eine grosse und schöne Aufgabe für die Lehrer sein, die auf unserer Jerusalemer Anstalt ihre Ausbildung erhalten, wenn sie ihre Tätigkeit auch in den Talmud-Thora- Anstalten ausüben, die durch ihre grosse Schülerzahl ein so fruchtbares Feld für weitreichende erzieherische Einwirkung bieten. Herrn Dr. Nathan ist es ferner vergönnt gewesen, zur Verwirklichung eines lange gehegten Planes beizutragen: die Begründung der Dr. S a 1 v e n d i - M u s t e r - F a r m in Palästina. Das Grundstück für die Farm, die einem erfahrenen Agronomen, der speziell Palästinas Land- und Bodenwirtschaft aufs genaueste kennt, voraussichtlich in Pacht gegeben wird, ist in günstigster bester Gegend — unweit der Kolonie Petach Tikwah — erworben worden. Das segensvolle Lebenswerk des um Palästina hochverdienten ehrwürdigen Herrn Bezirksrabbiners Di*. Salvendi, der auch ein tätiger Förderer des Hilfsvereins der Deutschen Juden ist, hat damit seine Krönung erfahren. Gelingt der Versuch der Bewirtschaftung eines grossen Gutes in Pacht und erweist sich damit landwirtschaftlicher Grossbetrieb in Palästina als produktiv, so wird Kapital in landwirtschaftlichen Unternehmungen in Palästina angelegt werden und eine Belebung der palästinensischen (Landwirtschaft auf geschäftliche Basis — der besten Basis, die es in der Volkswirtschaft gibt — wird die Folge sein. Durch die Salvendi-Farm wird auch die Heranbildung von Kolonisten ermöglicht. Es sollen auf der Farm gegen den ortsüblichen Taglohn jüdische Arbeiter eingestellt werden, die sich so als Landarbeiter praktische Kenntnisse erwerben, die sie später als kleine Kolonisten und Kleinpächter verwerten können. Auch für das Schulwerk des Hilfsvereins hat die Farm eine erhebliche Bedeutung. Auf der Farm, die in der Nähe von Jaffa, also Jerusalem gleichfalls nahe, liegt, werden unsere Seminaristen ihre Ferien verleben und zugleich praktische landwirtschaftliche Unterrichtskurse erhalten. Ein grosser Teil unserer Seminaristen wird dazu berufen sein, in den jüdischen Kolonien und auf dem Lande als Lehrer zu wirken. Mit gediegenen, speziell auf die palästinensischen Veihältnisse sich gründenden landwirtschaftlichen Kenntnissen ausgerüstet, werden sie nicht nur Lehrer für die Jugend sein, sondern auch in segensvoller Weise Lehrer für die Erwachsenen sein können. Die landwirtschaftlichen Kentnisse befähigen sie auch, sich selbst produktiv landwirtschaftlich zu betätigen. Diese Betätigung verleiht ihnen wiederum1 Liebe zum Boden, den sie bearbeiten und verknüpft sie aufs engste mit dem Schicksal der Kolonie. 98