Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bedeutung der Palästinaforschung für die Bibel
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 5)
- Language
- German
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in dem vorletzten „Palästinajährbuch" (1906) darauf hin, dass im westjordanischen Palästina kein Punkt so lohnende und in seinen Ergebnissen bedeutsame Ausgrabungen verspricht als das Dorf Sebastie, das alte Samaria. Hier ragt nicht nur das Sebaste des Herodes in einer Säulenstrasse, in zwei Tortürmen und Tempelresten aus der Erde, sondern unter dieser hellenistischen Kunst steckt das Samaria des Ahab und Jerobeam IL im Boden, d. i. eine Stadt, „welche in ganz anderer Weise als Mittelpunkt des alten Israel gelten muss als das wegen seiner späteren Bedeutsamkeit häufig überschätzte Jerusalem." Dr. Josef Carlebach: Ein jüdisches Lehrerseminar.*) Das Werk lobt seinen Meister; von dem Zögling schliesst man mit Recht auf den Erzieher, von dem Schüler auf seinen Lehrer. Denn alle die Eigenschaften, die wir jenen nachgerühmt, die Begeisterungsfähigkeit für Palästina und seine Schönheit, für unser Volk und seine höchsten Güter, für seine Sprache und seine klassischen Erzeugnisse, für Wissenschaft und Kulturfortschritt; die in Jerusalem zum Studium notwendige Entbehrungsfreudigkeit, der Verzicht auf so manchen Lebensgenuss und die Zufriedenheit, kurz, die sich selbst vergessende Hingabe an das allen gemeinsame Ziel, wie sollten diese idealen Kräfte in ihnen geweckt und erhalten werden, wenn nicht ihre Lehrer in alledem, wenn auch jeder in seiner Weise, lehrend und lebend ihnen Vorbilder wären? An mir selber habe ich es erfahren, wie ganz anders, wie viel besser der Mensch, wie viel arbeitswilliger und leistungsfähigerder Lehrer in Erez-Jisroel ist als inmitten der Kulturwelt. Indem dort äussere Zerstreuung und Ablenkung fehlt, kehrt das Gemüt sich nach innen, und die stillen Freuden der Studierstube werden die einzigen, dankbar empfundenen Erlebnisse des Tages. In Arbeit und Pflichterfüllung muss das Lebensgefühl sich erhöhen, da seine Temperatur nicht gesteigert werden kann. Ferner aber: die Bildung liegt nicht in der Luft; soll sie gepflegt werden, kann es gewissermassen nur durch eine generatio aequivoca erfolgen. Mit anderen Worten: Der Lehrer ist dort ein Kulturpionien Das ist ein Bewusstsein, das ihn mit einer besonderen Kraft begabt. Er geht keine geebnete Landstrasse, keinen Königsweg hat ihm die Arbeit vergangener Geschlechter geschaffen; wie der Tourist im heiligen Lande über Stein und Geröll seine Pfad sich bahnen muss, so muss der Lehrer Methode und Weg sich suchen, ■*) Nach der jüd. Rundschau (Teil V). 64