Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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„PALÄSTINA." Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschliessung Palästinas. Zentralorgan der jüdischen Kolonisationsbewegung im Orient V. Jahrgang 1908 Heft 4. Dr. med. Rahel Straus-München: Frauenarbeit in Palästina. Ein moderner Schriftsteller, der über die Kolonisation in Canada schreibt, verlangt von einem fähigen Kolonisten, vor allem zweierlei: Erst prüfe er sich selbst, ob er imstande ist, als Kolonist in die Ferne zu ziehen, und dann frage er, was weit wichtiger ist, sein Weib, ob sie mit ihm. ziehen will. Will sie es gerne, dann kann er es wagen, will sie nicht, dann lasse er es gleich bleiben; denn es wird ihm doch nicht gelingen. Diesen Ausspruch erzählte mir ein Verwalter einer Kolonie in Galiläa. Wir sprachen aber von Palästina. Und gerade dort sahen wir es auf Schritt und Tritt — ohne die willige, freudige Mitarbeit der Frau geht es nicht in der Landwirtschaft, und mancher ist eben seiner Frau wegen wieder ins alte Heimatland zurückgekehrt. Es ist ja wahr, die Frau hat es am schwersten bei dem neuen Leben. Sie ist wohl von Natur etwas konservativer und hängt mehr am Heimatsort mit seinen Freunden 'und Verwandten. Der Mann findet sich draussen eher zurecht — und dann: er weiss doch, wa r um1 er sein Heim verlassen, er hat die Idee, die ihn begeistert, die ihn vieles ertragen lässt. Aber wie selten hat die Frau Teil an diesem Denken, und fremd steht sie ihm gegenüber, nun da es zur Tat wird. Da kommt die schwere Aufgabe, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, den neuen Anforderungen zu genügen. Das ungewohnte Klima, das Krankheiten mit sich bringt, die veränderte Nahrung, der Wassermangel, alles erschwert das Sicheinleben, ganz abgesehen von der neuen Arbeit in Haus und Feld. Kaum eine der Frauen, die hinüber gekommen sind, hat einen ländlichen Haushalt gekannt; etwas ganz Neues wird plötzlich von der Frau gefordert. Sie werden mir sagen: vom Manne auch! Ja, aber diese Frauen, die da kommen, bringen die Anschauung von Hause mit, dass schwere körperliche Arbeit etwas erniedrigendes sei. Eine jüdische Frau, die in den Stall geht, und Kühe melkt, die den Hühnerhof besorgt,