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Palästina · 1908-01-01 · Heft 3 · p. Seite 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 3
Article
Also-Kubin [Nachricht]
Date
1908-01-01
Page
Seite 55 (sequence 2)
Language
German
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dreizehnjähriger überaus segensreicher Wirksamkeit hat uns der Herr Oberrabbiner verlassen. Zuvor fand in der Synagoge eine Abschiedsfeier statt, welche sich zu einer wahrhaft ergreifenden Kundgebung der Verehrung und Dankbarkeit gestaltete. Mit der gesamten Gemeinde und Abordnungen zahlreicher Gemeinden des Arvaer und Liptoer Kpmitats hatten sich die Häupter der staatlichen und städtischen Behörden, an ihrer Spitze der Obergespan (Regierungs-Präsident), die Geistlichkeit der christlichen Konfessionen, die Leiter und Lehrer der öffentlichen Schulen und zahlreiche andere Notabilitäten aus der Stadt und Komitat in dem festlich erleuchteten Gotteshause eingefunden. Nach der Rezitierung einiger Psalmen bestieg der Herr Oberrabbiner die Kanzel, um, wiederholt von Schluchzen unterbrochen, seiner über alles geliebten Gemeinde Lebewohl zuzurufen. Der Entschluss, von seiner Wirksamkeitsstätte, von der Heimatstadt, dem Heimatlande sich loszureissen, sei ihm wahrlich nicht leicht geworden; aber die Grösse der Aufgabe, die seiner im heiligen Lande warte, habe ihm diesen Entschluss als eine Pflicht gegen die ganze jüdische Diaspora erscheinen lassen. In New-York wird in nächster Zeit eine Jargon-Zeitschrift „Die Jüdische Zukunft" erscheinen, dessen Ziel ist, Kenntnisse über Palästina zu verbreiten. Journal geographique (Paris). Die letzte Nummer schliesst mit einem Briefe eines Franzosen, der unsere Kolonien und Farmen im heiligen Lande besucht hat. — „Die jüdischen Kolonien in Palästinj." vermehren sich von Tag zu Tag, und jede Kolonie besonders ist ein jüdisches Zentrum für sich allein. In der Nachbarschaft von Jaffa allein sind 40 0/0 der Farmen in jüdischen Händen und um Tiberia sind 27 0/0 jüdisches Eigentum. Auf der Jordanseite haben die Juden ein Stück Wüste in ein fruchtbares Land verwandelt. Die Juden, die in Palästina aus allen Winkeln des Erdballes antreffen, haben dorthin alle Sprächen des Erdballes mitgebracht und es träte gewiss unter ihnen die grösste Sonderung ein, wenn nicht die hebräische Sprache wäre, die sie wieder lebendig gemacht haben und die sie noch vielmehr alle zusammen verknüpft als ihre Religion. Ich sage, viel mehr als ihre Religion, weil unter den neuherübergekommenen jüdischen Familien auch solche dort sind, welche wenig oder garnichts aus der Religion halten. Die Stelle der Propheten haben bei ihnen Karl Marx, Lassalle, Prudhomme, Bakunin, Nietzsche, Tolstoi oder Nordau eingenommen. Nachdem der französische Reisende erzählt, wieso Jerusalem einige hebräische Zeitungen, Kalender usw. besitzt, endigt er seinen Brief im „Journ. geogr." damit, dass Jerusalem im ganzen jetzt aussähe, wie eine jüdische Stadt zur Zeit der Neviim. — Der Brief des; Franzosen ist ein merkwürdiges Dokument für Palästina, ein Dokument, welches genug Stoff zum Nachdenken bietet. palästinische Bibliothek. Die jüdischen lnstitute Palästinas sind dabei, etwas neues zu schaffen, und zwar eine wissenschaftliche Bibliothek, deren Gründung von den yorstehern der verschiedenen zionistischen und anderen in Jaffa befindlichen Organisationen ausgeht. Die neue Einrichtung führt den Namen „Palästinische Bibliö«. thek" und bezweckt in erster Reihe die Anschaffung wissenschaftlicher 55

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