Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Baumschule für den Herzlwald [Nachricht]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wurden. Trotz allem Suchen konnte ich anfangs keine jüdischen Arbeiter finden, schliesslich kamen aber doch solche aus Petach-Tikwah und erklärten, dass sie immer bereit seien, zur Erledigung der Arbeiten für den Herzlwald in beliebiger Anzahl zu kommen. Ich bin mit den jüdischen Arbeitern ausserordentlich zufrieden, es sind ausgeezichnete Arbeiter, leisten das Anderthalbfache wie die Araber und sind höchst anständige Leute." Die Kolonie Chederali. In Chederah wohnen zurzeit 32 Kolonisten-Familien und vier fremde Familien. Auf einer Fläche von 30 000 Dunam (zirka 3000 Hektaren) leben insgesamt jetzt etwa 750 Einwohner. Die Kolonisten haben ihre von Anfang an nicht sehr günstige Pasition nach Möglichkeit zu heben versucht. Die Getreideernte des vorigen Jahres erreichte einen 'Wert von zirka 200 000 Fr. Manche Kolonisten haben aus ihrem Wirtschaftsbetriebe im vorigen Jahre bis zu 10000 Fr. erworben. Der Regierungszehntc der ganzen Kolonie beläuft sich gegenwärtig auf 23 000 Fr. Jeder Kolonist bearbeitet durchschnittlich 300 Dunam. Im grossen Ganzen betreibt die Kolonie eine sehr rationelle Wirtschaft, und die Kolonisten haben es verstanden, sich die neuesten Ergebnisse der Technik nutzbar zu machen. So wurden z. B. allein im vorigen Jahre 51000 Fr. zur Anschaffung neuer Geräte und Maschinen verausgabt. Vielfach haben die Kolonisten auch eigene Initiative in der Erfindung neuer Hilfsgeräte bewiesen, die den heimischen Bedingungen des Landbaues angepasst sind. So hat einer der Kolonisten kürzlich neue Pläne für eine Anzahl von Ackerbau - Geräten entworfen, die von einer europäischen Fabrik' angefertigt werden. i Der Boden von Chederah ist vielfach sehr ergiebig. Besonders zeichnet sich derjenige Teil, des Bodens aus, der hier „Chamrah" (schwarzer Boden) genannt wird und bisweilen überraschende Ernteresultate ergibt. Die /Kolonisten züchten viel Geflügel und Vieh in ihrer Wirtscjhaft. Ueberhaupt gewährt die Kolonie den Eindruck eines reichen Dorflebens, . Allerdings gibt es auch eine Anzahl Kolonisten, die ein ärmliches und [gedrücktes Dasein führen. Die Ursache dürfte meistenteils in persönlicher Ungeeignethert zu suchen sein. Es sind dies meist Arbeiter, die zu selbständigen Kolonisten geworden sind, ohne die hiefür notwendigen Vorbedingungen an Ausbildung und Vermögen zu besitzen. So haben natürlich die wohlhabenderen Kolonisten den besseren Boden und die besseren Hilfsmittel zur Verfügung, welche letzteren hier besonders wichtig sind. Zum grösseren Teile ist der Boden infolge seiner sumpfigen Beschaffenheit einstweilen zum Anbau . nicht geeignet. Man hat vielfach versucht, durch Eucalyptus-Anpflanzungen den Boden auszutrocknen, was aber mit grossen, meist unerschwinglichen Kosten verknüpft ist. Bis jetzt sind im ganzen 400j000 Eucalyptusbäume in Chederah angepflanzt. Infolge der grossen Sümpfe herrschen auch in der Kolonie eine Reihe von Krankheiten, denen oft auch junge, lebenskräftige Kolonisten erliegen. Es ist vorgekommen, dass .eine ganze Familie in einigen Tagen ausgestorben ist. An medizinischer Hilfe besitzt die Kolonie nur einen Feldscher; von Zeit zu Zeit besucht Dr. Joffe, der Arzt von Sichron 52