Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Pessachfest [Nachricht]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379804-2379808--01576-2413589- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bus den ßauptstäütetu Jerusalem. Das Pessachf est wird alljährlich von zahlreichen Juden aller Länder zum Anlass genommen, die heilige Stadt aufzusuchen, um daselbst die Feiertage zu verleben. Aber seit vielen Jahren waren ihrer nicht so viele gekommen, wie dieses Jahr. Alle Hotels und Herbergen waren überfüllt. Fast alle Länder Europas und Amerikas waren vertreten. Auch die Bucharei und die palästinensischen Kolonien stellen ein grosses Kontingent von Juden, die das Fest innerhalb der Heiligen Stadt feiern wollten. Die meisten dieser Festgäste kommen schon seit vielen Jahren um dieselbe Zeit nach Jerusalem. Dieses Jahr befand sich unter den Gästen eine aus 50 Personen bestehende Gruppe aus der Bucharei. Die seit achtunddreissig Jahren bestehende Wochenschrift „H ab az e 1 e tli" (Herausgeber: J. Frumkin) erscheint von jetzt ab in veigrössertem Umfang dreimal wöchentlich. Die Abteilung der Anglo Pal. Bank hat den Diskont von 9 0/0 auf 8 o/o herabgesetzt. Die .neuen jüdischen Di ruckereien am Platze beschäftigen 70 jüdische Arbeiter. In letzter Zeit haben sich diese in einem Verbände zusammengeschlossen. Hier wurde eine G'iessereifabrik eröffnet, welche bereits J5 jüdischen Arbeitern Beschäftigung gibt. Haifa. Die Fabrik A t h i d von der Gesellschaft, der u. a. besonders P ewsner und Wildbuschewitz angehören, erzeugt gute Toiletten seifen, die einen Absatz bis nach Aegypten anbahnten. Bisher herrschten auf dem Markt die Seifen von Arabern aus Nablus (Sichern). Von der Fabrik leben schon jetzt 30 Familien. Jaffa. Da infolge Platzmangel in den vorhandenen Schulen 200 Kinder vom Schulbesuch ausgeschlossen werden müssen, beschloss man die Erbauung einer weiteren Schule. Die Einwanderung ist im Wachsen begriffen. Jedes Schiff bringt neue junge Arbeiter und Handwerker. In letzter Zeit kamen auch einige junge Einwanderer aus Amerika; sie machen einen guten Eindruck und bekommen sicherlich lohnende Beschäftigung. An jüdischen Dienstboten herrscht im ^ganzen Lande grosser Mangel. Manche wohlhabende Familien zahlen infolgedessen ausser Verpflegung bis zu 50 Fr. monatlich. Eine erfreuliche Entwicklung zeigt der Verein „Kinor Zion" in Jaffa, der sich die Pflege der Vokal- und Instrumentalmusik zur Aufgabe stellte. In jüngster Zeit veranstaltete er mehrere Konzerte, die einen schönen Verlauf nahmen. Beachtung verdient auch die Tätigkeit des Vereins der Freunde der dramatischen Kunst in Jaffa, die sich sogar an die Aufführung von Ibsens „Volksfeind" heranwagten. Leider aber wurde die Aufführung des von der türkischen Zensur verbotenen Stückes mitten in der Vorstellung verboten. 50