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Palästina · 1908-01-01 · Heft 2 · p. 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 2
Date
1908-01-01
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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„PALÄSTINA.'' Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschliessung Palästinas. Herausgegeben vom „Palästina-Verlag". V. Jahrgang 1908 Heft 2. Dr. Adolf Friedemann: Jüdische Kunst in Palästina. Die Rolle, welche die Kunst im Leben der Völker spielt, ist bisher von uns allen nicht gebührend gewürdigt worden. Und das ist kein Wunder. Religiöse Bedenken und Unsicherheit aller Lebensverhältnisse haben 1800 jähre lang jede künstlerische Betätigung unserer Vorfahren gehemmt. In die Stickluft der Judengasse drang nicht das Sennenlicht, das Rembrandts Bilder überflutet; Not und Angst des Alltags waren wenig geeignet, die Freude am Schönen, Gefühlsmächtigen zu fördern, und die mittelalterlich-düstere Vertiefung in das ausserweltlich-transzendentale verwarf jede Sinnenfreude als giaubensfeindlich und sündhaft Michelangelo und Raphael, Dürer und Rübens, Cellini und Brunelleschi haben für unsere Väter riicht geschaffen und gelebt. Auch nicht für unsere heute lebenden Brüder in den Ghetti des Ostens und Amerikas. Nun wandern sie hinaus in den lachenden Sonnenschein de< Heimatlandes, bemühen sich in den Lauten der uralten Volkssprache zu sprechen, und von allen Seiten wird das nationale Moment der Kolonisation gepflegt und gestärkt. Aber für die Entwicklung der Bodenständigkeit desselben geschieht so gut wie nichts. Die guten und schlechten Eigenschaften, die den Einwanderern anhaften, gelten als jüdische Charakteristika und werden als gültige Tatsachen hingenommen, ohne dass man sich klar macht, dass das Ghetto und die Lebensfeindlichkeit nicht in die Natur und unter den freien Himmel passen, dass die besten Volksbibliotheken und theoretischen Bildungsmittel nicht die tätige Liebe zum Boden fördern, wenn der Natursinn tot ist. Der jüdische Kolonist hat heute in Palästina noch keine Tradition, darum braucht er zum mindesten die Freude an seinen Bergen, an den Schluchten und Wäldern seines Landes,

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