Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Entwicklung der Industrie
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Entwicklung der Industrie. Wenn man auf die Industrie Palästinas zu sprechen kommt begegnet man heute noch bisweilen einem mitleidigen Lächeln. Wie irrig aber diese überlegene Selbstgewißheit unserer Gegner ist, läßt sich an einem einzigen Beispiel dartun. In Folgendem sollen Geschichte und Zustände eines palästinensischen industriellen Unternehmens kurz skizziert werden. Im Jahre 1890 wurde in Jaffa von Herrn L.Stein eine mechanische Werkstätte eröffnet. Es war dies ein recht bescheidenes Gebäude, im ganzen etwa 300 Quadratmeter umfassend. Die Nachfrage nach technischen Hilfsmitteln und Arbeitsmethoden war damals in Syrien und Palästina noch in ganz primitivem Zustand. Die Besitzer der Orangengärten und anderen Plantationen die Müller, die Oel-, die Seifenfabrikanten bedienten sich bei ihren Betrieben einzig und allein der menschlichen und tierischen Kraft und kannten keinen anderen Motor. Die Bevölkerung verhielt sich mißtrauisch gegen jede technische Neuerung, namentlich hatte man kein Vertrauen zu den Dampfmaschinen und mechanischen Motoren. Man mußte nun den Widerstand der Bevölkerung brechen und dem Motorbetrieb die Bahn ebnen, indem die Vorzüge desselben jedermann einleuchtend dargetan wurden. Diese eminent kulturelle Tat vollzog nun Herr Stein. Mit großer Mühe gelang es ihm, einen Autochthonen zu bewegen, in seiner „Boyare" (Orangengarten) eine Pumpmaschine mit Gasmotor zu installieren. Der Versuch gelang, viele sahen sich nun veranlaßt, ihre Vorurteile gegen mechanische Betriebe abzulegen, die Werkstätte Steins gewann immer mehr Boden, es kamen immer neue Bestellungen von Seiten der judäischen und galileischen Kolonisten, der lokalen Regierung, ja sogar von Seiten der arabischen Bevölkerung Palästinas und Syriens. Die Zahl der in der Werkstätte beschäftigten Arbeiter erreichte jetzt 20, der Raum erwies sich nun als zu klein, und es stellte sich die Notwendigkeit heraus, ein neues geräumiges Gebäude zu errichten und moderne Maschinen von den neuesten Systemen einzuführen. Bald erwies sich auch eine Eisen- und Kupfergießerei als notwendig. Einige Zeit darauf wurde die Werkstätte nach dem Zentrum der Stadt verlegt und in einem großen Bau untergebracht; auch die Gießerei wurde eröffnet, sodaß man jetzt eine regelrechte, nach allen Gesetzen der Baukunst errichtete Fabrik vor sich hatte. In dem Maße aber, als die Bestellungen und Nachfragen nach Pumpmaschinen, Gasmotoren, Mühlen, Oelpressen, Eismaschinen, Mäh- und Pflugmaschinen u. dergl. zunahmen, stellte sich das Bedürfnis nach entsprechendem weitgehendem Kredit ein. Da nun die Herrn Stein zur Verfügung stehenden Mittel für die sich immer mehr häufenden Bestellungen nicht ausreichten, so wurde vor zwei Jahren die Steinsche Fabrik zwecks weiterer 6